Her mit dem neuen Flughafen

Tempelhof_15.04.23_JB web
© Dr. Justus Bobke

Hallo Britta,

wieder mal sehr schön, von Dir zu lesen.

Tatsächlich bringt mich das Thema BER auch zum Kochen. Doch es wird Dich überraschen: Es sind ganz andere Gründe als Projektrealisierungsunfähigkeit oder die Unzulänglichkeiten Berliner oder Brandenburger Lokalpolitiker. In allererster Linie ärgert mich der riesengroße ökonomische Verlust, da sich die Fertigstellung des neuen Flughafens so lange hin zieht. Nur zum Vergleich: Am und um den Frankfurter Flughafen arbeiten 60.000 Arbeitskräfte und das generiert viel Wohlstand in der Region.

Nun hat sich Berlin seit 1994 zum unbestrittenen Nummer 1 für Touristen in Deutschland und zur Nummer 3 hinter London und Paris in Europa gemausert. Du wirst es nicht glauben, doch 1994 besuchten mehr Touristen München als Berlin! Heute besuchen doppelt so viele Gäste Berlin im Vergleich zu München. Die Gewichte haben sich gewaltig verschoben. Touristen bringen Geld in die Stadt und viele von denjenigen, die derzeit Berlin besuchen, sind jung, erleben hier eine Stadt im Umbruch und Wandel und werden sicherlich noch öfter her kommen. Nun: Auf einen Schlag wäre der BER dann der drittgrößte Flughafen hinter Frankfurt/Main und München. Gerade in München hat man mit viel Können, List und Tücke den Flughafen Franz-Josef-Strauß gebaut und ausgebaut. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Konkurrenz in Deutschland ein großes Interesse daran hat, die Berliner Konkurrenz möglichst lange zu verhindern. Ein Schelm, der Böses denkt, wenn die Bundesverkehrsminister häufig aus Bayern kommen.

Denn der Konkurrenz droht Ungemacht, wenn der neue Flughafen Berlin-Brandenburg erst richtig funktioniert. Dann nämlich müssen die Flugverbindungen neu verhandelt werden. Ein Beispiel: Jüngst flog ich nach Toronto, was von Berlin aus bis zu 16 Stunden dauern kann. Statt eines Direktflugs darf der Fluggast den Amsterdamer Flughafen geschlagene fünf Stunden genießen. Das dürfte sich ändern, wenn der BER am Start ist. Wenn es aber mehr Direktflüge von und nach Berlin gibt, wird sich das auch auf die Kongresse und Tagungen, Messen und Events auswirken. Nun ist Berlin in all diesen Bereichen nicht schwach, doch es geht bequemer und besser, wenn man per Flugzeug zu uns kommen will.

Eines noch: Über die scheinheilige Diskussion über Fluglärm und den ökologischen Folgen will ich mich zurück halten. Im Geiste sehe ich schon die saturierten und minderausgelasteten Arzt- und Anwaltsfrauen im wohlhabenden Berliner Südwesten und angrenzenden Brandenburger Gemeinden. Trotz des Entscheids für Schönefeld wurde das Häuschen gekauft. Die Kinder gehen auf funktionierende Privatschulen. Ich habe drei Jahre eben dort in Stahnsdorf gelebt und mir den Unsinn anhören müssen. Meist waren die Männer gerade irgendwo in der Welt – natürlich mit dem Flugzeug unterwegs. Hätte ich unterirdische Startbahnen als Lösung vorgeschlagen. Man hätte applaudiert. Als dann die Kinder im Kindergarten durch Horrorplakate indoktriniert wurden, da wurde es mir zu bunt. Ach so: Im reichen Berliner Südwesten, in Potsdam, Stahnsdorf oder Kleinmachnow hört man die Flieger kaum. Dafür fliegen die dann nämlich schon zu hoch. Und ich: Inzwischen wohne ich in Pankow. Direkt in der Einflugschneise. Es lässt sich aushalten, doch wünsche ich mir, dass der BER endlich abhebt. Uns allen einen guten Flug!

Bis bald, Dein Justus

Dr. Justus Bobke ist freier Berater mit den Schwerpunkten Markenentwicklung für Städte und Unternehmen sowie Medientrainings für Führungskräfte. Er besitzt Kompetenz in den Bereichen Journalismus, Public Relations und Markenmanagement und arbeitet im Expertennetzwerk AlleFürEinen. Seit Mai 2016 ist er auch Vorsitzender des Verbandes 3DDruck in Berlin. Kontakt: +49 173 61 16 294 | jb@bobke-marke.de | mehr: www.bobke-marke.de | www.allefuereinen.net | www.verband3ddruck.berlin