Gesundheitssystem 4.0

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Es kann getrost behauptet werden, dass die elektronische Gesundheitskarte eines der umfangreichsten IT-Projekte der Welt ist. Die Umsetzung des Projekts stellt sich als weitaus komplexer dar als es die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2003 wohl vermutet hätte.

Mit der neuen Gesundheitskarte wollte man Lehren aus dem sich Ende der 90er/ Anfang der 2000er ereigneten Lipobay-Skandal ziehen. Mehr als 100 Menschen starben aufgrund der gleichzeitigen Einnahme verschiedener verschreibungspflichtiger Medikamente und dem cholesterinsenkenden Medikament Lipobay.

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte sollte für Verbesserungen sorgen: Ein Austausch von Patientendaten war das Ziel, damit unerwünschte Wechselwirkungen zwischen Medikamenten in Zukunft verhindert würden.

Doch was hat sich seit 2003 wirklich geändert? Im Jahr 2011 wurde die neue Karte erstmals ausgegeben, 1. Januar 2015 wurde sie verpflichtend. Gespeichert werden bisher ausschließlich administrative Daten und ein Lichtbild, welches den Missbrauch der Karte verhindern soll. Der wertvollste Fortschritt steht jedoch noch aus. Der Mikrochip der Karte, soll einmal aktiviert, Laborbefunde, Röntgenbilder und Arzneiverordnung speichern und dafür sorgen, dass ein Transfer dieser Daten zwischen Ärzten möglich ist. Eine höhere Patientensicherheit, durch Transparenz über verschriebene Arzneimittel, ist also immer noch nicht gewährleistet. Arzneimittelwechselwirkungen sind weiterhin an der Tagesordnung und verschulden weiterhin Tote. Bei all der Kritik über die schleppende Umsetzung darf jedoch eines nicht vergessen werden: die Telematikinfrastruktur der elektronischen Gesundheitskarte wird dem hohen Anspruch an Sicherheitsstandards, der an sie gestellt wird, noch nicht gerecht.  Die elektronische Vernetzung ist technisch komplex und die Sicherheit der Patientendaten muss gewährleistet werden. Im kommenden Herbst soll der Mikrochip bei 1000 Ärzte und 10 Krankenhäuser konkret getestet werden. Dann wird sich herausstellen ob ein Nutzen der Karte mit Mikrochip für alle Endverbraucher alsbald möglich sein wird.

Eine funktionierende Kommunikation ist die Basis für die Zusammenarbeit im Gesundheitssystem. Und damit wird in unserer digitalisierten Gesellschaft auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens unumgänglich. Nichts desto trotz darf die Datensicherheit nicht unter dem Wunsch einer möglichst schnellen Umsetzung leiden.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.