Geschichtenerzähler

Foto: Anfuehrer | cc 2.0 Lizenz
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Auf die Idee, schwierige Zusammenhänge in verständliche Geschichten einzubetten, sind schon viele gekommen. Bei Fabeln heißt es: Und die Moral von der Geschicht… Der Köder muss bekanntlich dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Auch in der politischen Kommunikation wird das Thema „Storytelling“ immer wieder aufgegriffen. Neuerdings beschäftigen sich auch die einschlägigen Bildungseinrichtungen wie die Quadriga Hochschule damit. Dort werden tolle, teure Seminare für das richtige Geschichtenerzählen angeboten. Irgendwie beschleicht einem das Gefühl: Kommt alles wieder. Titelte p&k 2010 noch „Storytelling? Vergessen Sie`s!“ so heißt es sechs Jahre später: „Zeit für große Erzählungen„. Der geneigte Betrachter fragt sich nun natürlich, was soll ich tun?!

Es ist im Prinzip ganz einfach: Wer beim Lobbyieren eine Geschichte nur als Verpackung herausholt, um eine emotionale Komponente zu adressieren, weil die harten Fakten u.U. zu hart sind, hat das Klassenziel verfehlt. Das Storytelling wird nur zu oft dahingehend interpretiert, dass die Verpackung stimmen muss, dann kommt man schon zum Ziel. Das wirkt aber eher willkürlich und am Ende muss sich der Lobbyist fragen, was kann der Adressat mit meiner Geschichte konkret anfangen? Der erste Fehler, der fast immer gemacht wird, ist, den Sachzusammenhang nicht vom Ende her zu denken. Was will ich erreichen? Soll es etwa darum gehen, schöne Geschichten zu erzählen, damit jeder (politische Entscheider) glaubt, wie ökologisch nachhaltig mein Unternehmen jetzt ist? Oder wie friedliebend? Oder wie sozial?

Wer die richtige Geschichte erzählen will, sollte sich in aller erster Linie die Regulierungsziele anschauen. In der Politischen Kommunikation hat ja nichts einen Selbstzweck. Es geht immer darum Regulierung zu initiieren, zu verändern oder abzuschaffen. Erst wenn diese Punkte klar sind, kann ich ein für die Zielgruppe passendes Narrativ entwickeln. Das unterscheidet sich u.U. je nach Ausrichtung erheblich. Wissenschaftliche Stakeholder brauchen anderen Input als politische oder gesellschaftliche. Schließlich gibt es auch nicht DIE Geschichte, sondern die Aussagen werden geformt und getestet im Betrieb. Erst wenn ich diesen Praxistest durchgeführt habe, kann ich überhaupt beurteilen, ob die Geschichte richtig aufgebaut und erzählt ist. Die großen Erzählungen sind also kein Instrument zum Wohlfühlen, sondern das Florett dessen erste Schmiedestufe das Strategieschwert ist.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.