Genschers Sicht der Dinge

Foto US, Buchumschlag Propyläen
Foto US, Buchumschlag Propyläen

Deutschlands bekanntester Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher hat aufgrund der sich 2015 jährenden, aufeinander aufbauenden, weltpolitischen Ereignisse zusammen mit seinem Biografen Hans-Dieter Heumann, ein Buch mit dem Titel „Meine Sicht der Dinge“ herausgebracht. Außenminister von 1974 bis 1992, hat Genscher, der von 1969-1974 schon Bundesinnenminister war, insgesamt unter drei Kanzlern gedient und die deutsche Wiedervereinigung maßgeblich beeinflusst und begleitet. Er nimmt die heutige Weltlage (Krise im Nahen Osten, Auseinandersetzung mit Rußland über den Ukraine-Konflikt) zum Anlass, seine Gedanken zu äußern. Der Handelsblatt-Journalist Till Hoppe hat das am 11.9.2015 erschienen Buch in einer Besprechung als „lesenswert“ beschrieben.
Für Genscher fängt vieles mit der Verabschiedung der KSZE-Schlussakte von 1975 an – vor 40 Jahren. Er geht natürlich auch zurück in die Zeit als der heute 88Jährige ein Junger Mann war: Das Ende des 2. Weltkrieges 1945 – vor nunmehr 70 Jahren. Das Jahr 1945 markiert auch den Beginn des Zeitalters der atomaren Abschreckung mit den Bomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Die Beschreibungen Genschers insbesondere über die Zeit 1989/1990 sind außerordentlich lesenswert und ein Dokument der Zeitgeschichte. Eine kleine Leseprobe ist im Netz zu finden. Am 3. Oktober 1990 – vor 25 Jahren – kommt es zur staatlichen Wiedervereinigung Deutschlands und damit erlangt Deutschland seine volle Souveränität in der internationalen Staatengemeinschaft zurück. Der sog. „2+4-Vertrag“ wird am 12.9.1990 unterzeichnet. Westdeutschland war seit dem 5.5.1955 immerhin teilsouverän.

Den teilweise negativen Emotionen derzeit gegenüber Rußland erteilt Genscher eine klare Absage, wenngleich ihm ein Verständnis Putins nach der Annexion der Krim und dessen Auftreten im Ukraine-Konflikt ebenfalls fern liegt. Der langjährige Außenminister hat viel Erfahrungen in seinem politischen Leben sowohl mit der Sowjetunion als auch mit Rußland sammeln können. Der Dialog mit Rußland wird für Europa seiner Meinung nach ein maßgeblicher Baustein für die Zukunft des Kontinents sein.

Das Buch ist auch für „Querleser“ eine Quelle der zeitgeschichtlichen Auffrischung. Bleibt zudem zu hoffen, dass es irgendwann zu einer „Weltnachbarschaftsordnung“ kommt, wie Genscher sie anstelle der Weltvorherrschaft von Staaten beschreibt.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.