Fußballmacht mal anders: entscheidet der FC Schalke 04 den Ukraine-Konflikt?

Mal wieder bestimmt eine Frage die deutschen Medien: wo liegen die Grenzen zwischen Politik, Geschäft und der vielzitierten Moral? Fußballbundesligist Schalke 04 gab vor kurzem bekannt, eine Einladung des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Zuge eines Termins bei Gazprom, dem Hauptsponsor der Schalker, erhalten zu haben und dieser auch nachkommen zu wollen. Eigentlich eine kaum nennenswerte Angelegenheit, da derartige Termine zum Tagesgeschäft des Sportsponsoring gehören. Wäre da nicht der Ukraine-Konflikt…

Schon werden erste Stimmen aus der deutschen Politik laut, die Königsblauen ließen sich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und vom Schalke-Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies für gegenseitige wirtschaftliche Interessen instrumentalisieren und sollten diesen Termin gefälligst absagen, da dieser auch als politisches Statement des Vereins verstanden werden könne.

Doch ist es wirklich so einfach?

Erstens: Schalke ist mit Gazprom eine für den Verein nicht unerhebliche Geschäftsbeziehung eingegangen, und derartige Einladungen und Besuche bei Sponsoren sind häufig Bestandteil des Vertragswerkes. Letztlich leben der Sport und die Vereine nicht ausschließlich von nostalgischen Erzählungen, wie sie im 11Freunde-Magazin durch die rosarote Fußballromantiker-Brille zu lesen sind, sondern wie jedes andere Unternehmen auch, insbesondere von guten wirtschaftlichen Entscheidungen und attraktiven Rahmenbedingungen.

Zweitens: Ist ein Nichterscheinen zu einem solchen Termin infolge politischen Drucks nicht genau das, wofür man Wladimir Putin hierzulande so heftig kritisiert, nämlich politische Einflussnahme auf Akteure der Privatwirtschaft? Da es sich beim FC Schalke 04 nicht um einen politischen Akteur handelt, sondern um einen wirtschaftenden Fußballverein, sollte man nicht versuchen, ihm eine politische Relevanz zuschreiben, die ohnehin nicht begründbar wäre. Politische Entscheidungen werden noch immer in den Regierungssitzen und Parlamenten getroffen.

 

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat Recht, wenn er sagt, dass eine gesellschaftlich dermaßen beliebte Sportart wie Fußball nie gänzlich unpolitisch ist. Jedoch sollte man sie – wie in diesem Fall – nicht auch noch zwanghaft zum Teil der Politik deklarieren.

Im Fußballjargon ist häufig von den „mächtigsten Fußballvereinen der Welt“ die Rede. Liest man sich die Anschuldigungen aus der Politik gegen den FC Schalke 04 durch, so könnte man für einen kurzen Moment auf den Gedanken kommen, dass die wahre Fußballmacht nicht aus München, Barcelona oder Madrid kommt, sondern aus dem Ruhrpott; dass nicht Obama, Putin oder Merkel die wichtigsten Akteure der Ukraine-Krise sind, sondern Schalke-Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

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