Freiheit, die ich meine

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Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat vorgestern Abend zur 11. Rede für die Freiheit in das Allianz-Forum an den Pariser Platz eingeladen. Es war so brechend voll, dass man vermuten möchte, die FDP ist wieder beliebt. Christian Lindner, der 11. Redner dieser Veranstaltungsreihe ist zweifelsohne ein exzellenter Rhetoriker. Sein Einstieg wählte er über zwei durchaus interessante Hinweise: Er solle keine Kampagnenrede halten – etwas anderes mache er seit vier Jahren lt. eigener Aussage gar nicht mehr – sondern eine „Grundierungsrede“ für freiheitliche Themen. Sein zweiter Aufhänger war der 100. Geburtstag von J.F. Kennedy am gleichen Tag. Und dieser Aufhänger hätte nicht aktueller gewählt sein können.

Der G7-Gipfel in Taormina war gerade zu Ende und als solches wurde auch landauf, landab mehr oder weniger die Beziehung zu den USA bezeichnet. Bemerkenswert, wie sich in heißen Wahlkampfzeiten die Parolen überschlagen – gipfelnd in einer Bierzeltrede, die tagelang international diskutiert wird. Man meine eine Person, so Lindner, und setze dafür linguistisch ein ganzes Land. Das passt einfach nicht zusammen. Gerade die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind etwas Besonderes. Ohne die USA wäre Deutschland, wäre Europa heute mitnichten, was es ist. Diese Beziehungen – jeder hat JFKs Rede auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses im geistigen Ohr „Isch bin ain Bärlinner“ oder Reagans „Mr. Gorbatschow tear down this wall“ – sind nicht an einer Person festzumachen, auch wenn er immer als mächtigster Mann der westlichen Welt bezeichnet wird.

Christian Lindner bewies an dieser Stelle die notwendige Weitsicht und Besonnenheit, nicht in die Bierzelt-Rhetorik zu verfallen und auch einfach mal „draufzuhauen“ in der Hoffnung damit die Stimmen derjenigen zu gewinnen, die Trump nicht mögen. Thomas Kielinger bringt es in einem Kommentar auf den Punkt. Anstatt anzuerkennen, dass die USA eine unabhängig von seinem politischen Personal für Europa und Deutschland transzendierende Größe darstellen, haue man auf den Putz: „Stattdessen diktiert wieder einmal der Wahlkampf die politische Rhetorik. Martin Schulz ist für Frau Merkel, was Nigel Farage einst für die britischen Konservativen war: Man muss ihn übertrumpfen, um ihm die Argumente abzugraben.“ Das ist wirklich treffend.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Vernunft mit Blick auf den Verbündeten USA auch in Deutschland weiterhin durchsetzt. Mit Christian Lindner hat sie zumindest einen handfesten Vertreter.

 

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.