Frank has left the building

Frank StronachViele dachten er sei der Heilsbringer der stagnierenden und intransparenten Politiklandschaft Österreichs – der milliardenschwere Austrokanadier Frank Stronach. Als der gebürtige Steirer vor nicht einmal zwei Jahren die politische Arena mit seiner neu gegründeten Partei „Team Stronach“ (TS) betrat und inbrünstig die Werte „Wahrheit, Transparenz und Fairness“ proklamierte sowie das bestehende System an den Pranger stellte, elektrisierte er große Teile der politikverdrossenen und veränderungsgierenden österreichischen Bevölkerung. Binnen kürzester Zeit schaffte er es, alteingesessene Parteien in Aufruhr zu versetzen. Politische Konkurrenten aus allen Lagern fürchteten bereits hohe Stimmenverluste, Stronach selbst liebäugelte, bestärkt durch positive Umfrageergebnisse, bereits mit der Kanzlerschaft. Schlussendlich kam es aber ganz anders.

Bei der Parlamentswahl im September 2013, schaffte das TS zwar mit 5,7 Prozentpunkten den Einzug in den Nationalrat, blieb aber weit hinter den Erwartungen und Vorstellungen des Gründers (20 Prozent +) zurück. Damit war das Kapitel Politik für den Milliardär abgehakt. Ganz nach dem Motto: Ganz oder gar nicht, verflüchtigten sich innerhalb weniger Wochen seine politischen Ambitionen sowie das Interesse an der Mitarbeit in der Volksvertretung und an der Zukunft seines Herkunftslandes. Er verlässt das Parlament nach drei Plenumssitzungen wieder in Richtung Wirtschaft. Der Stern ging schneller unter als von vielen Seiten erwartet. Was bleibt in Erinnerung?

Fehlende wirtschaftliche Kompetenz, Einsatzbereitschaft, Intelligenz oder zu wenig Selbstbewusstsein kann man dem 81-jährigen Frank Stronach in keinster Weise unterstellen. Nicht umsonst schaffte er es mit der Magna International einen global agierenden milliardenschweren Automobilzulieferkonzern aufzubauen. Politisches Gespür, Empathie oder Konsensbereitschaft sind dagegen nicht gerade seine Stärken. Während des Wahlkampfs ließ er nur wenige Fettnäpfchen aus.

In den Diskussionsrunden vor der Wahl glänzte er zumeist mit aufbrausendem Temperament gegenüber Journalisten, fehlender Argumentationsstärke in sachlichen Diskussionen, sturer Besserwisserei in wirtschaftlichen Themen sowie wirren Forderungen für die Zukunft Österreichs und Europa. Als Illustration bringt etwa der SPIEGEL Online folgende Beispiele: „Unvergessen bleibt der Wahlkämpfer Stronach, der in einem Fernsehinterview den Moderator regelrecht niederbrüllte, weil er die Journalistenfragen für Quatsch und seine eigenen Ausführungen für blendend hielt. Gleiches gilt für seinen Auftritt in Badehose und mit freiem Oberkörper, der Vitalität trotz fortgeschrittenen Alters demonstrieren sollte. Und dann war da noch seine Forderung, die Todesstrafe für Massenmörder und Berufskiller einzuführen.“ Allein dieser Auszug lässt Beobachter peinlich berührt zurück. In Österreich setzte sich nicht umsonst das Modewort „Frankschämen“ bei der Wahl zum Wort des Jahres 2013 durch. Als politisches Vermächtnis nicht gerade befriedigend.

In den eigenen Reihen erzeugten seine Handlungen sowie undurchsichtige Personalrochaden Reibungspunkte und unzählige Gegenpositionen. Am Patriarchen prallte jedoch jegliche Kritik, sei sie intern oder extern, ohne Folgen ab. Es sei eben seine Art zu Handeln. Gegenspieler in der Partei wurden wie in einem Unternehmen ausgetauscht und die Fraktionsmitglieder immer wieder auf ihn als Führungsperson eingeschworen. Mit mäßigem Erfolg. Absplitterungen und Ausstiege aus der Partei häuften sich.

Jetzt lässt er die Politik gänzlich hinter sich. Er zieht sich aus dem „aktiven“ Geschäft zurück, will aber mit seinem Namen die Partei weiter tragen. In seiner Abschiedsrede vor den Abgeordneten in Wien verabschiedete er sich in einer kuriosen Rede, in der er seine bisherigen Erfolge und seine Person erneut mit Lob überhäufte. Mit keinem Wort erwähnte er Verfehlungen noch sprach er Entschuldigungen aus. Weder gegenüber seinen Mitstreitern noch seinen tausenden enttäuschten Wählern.

30 Millionen Euro war ihm der Ausflug in die Politik wert, Geld, das in der Wohlfahrt wohl mehr Sinn gehabt und Ihm gesellschaftliche Anerkennung und die Wahrung seines Rufs innerhalb Österreichs gesichert hätte. Zurück bleibt ein verstörendes Bild eines starrsinnigen Milliardärs, der sich als Quereinsteiger in die Politik Österreichs einkaufte und die Menschen mit unausgegorenen Politiken, Visionen und Versprechungen geblendet hat – Populismus in seiner reinsten Form. Was die Stronach-Rumpfpartei in der laufenden Legislaturperiode leisten kann und wird, bleibt abzuwarten.

Zusammengefasst: ein unnötiges Spektakel.

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