Flüchtlinge – damals und heute

In einem bemerkenswerten Beitrag berichtet Prof. Dr. Alfred Wolf im Berliner Tagesspiegel über seine Lebenserinnerungen während und vor allem direkt nach dem Zweiten Weltkrieg. 2011 erschien sein Buch „Im Schlagschatten der Machtpolitik – eine Kindheit in Mährisch-Schlesien 1931-1946“. Auch wenn sich das Thema der heutigen Situation mit den Flüchtlingen gleicht, es ist grundverschieden und dennoch ist die Erinnerung an die Geschehnisse von damals so hilfreich für uns heute, die wir im größtmöglichen Wohlstand leben und uns „bedroht“ fühlen durch die – im Vergleich zu damals – relativ wenigen Menschen, die bei uns Schutz suchen. Prof. Wolf sieht viele Parallelen.

„Alfred Wolf schildert sein Leben bis zur Vertreibung 1946 vor den politischen Hintergrund und vor dem Drama des Zweiten Weltkrieg. „Schlagschatten“ ist also mehr als eine private Biographie, der Leser erhält die lebendige Schilderung einer Kindheit in einer schreckliche Zeit“, so der Verlag des Titels.

Er beschreibt die politischen Umstände der Zeit eher nüchtern: Auf der Potsdamer Konferenz war beschlossen worden, dass von allen eintreffenden Menschen 37% in die britische Zone, 14% in die französische, 21% in die sowjetische und 28% in die amerikanische Zone kommen sollten. Die Franzosen, die an der Potsdamer Konferenz nicht beteiligt waren, verweigerten allerdings die Aufnahme. Die Amerikaner rechneten zunächst mit 2,1 Millionen Menschen in ihrer Zone. Es wurden dann aber mehr als drei.

Keine Frage, die Menschen damals kamen aus dem gleichen Kulturkreis, waren der deutschen Sprache mächtig und konnten sich ohne Qualifizierungsmaßnahmen gleich an die Wiederaufbau des Landes machen. Und dennoch war die damalige Integrationsleistung um ein Vielfaches höher als jene, die uns heute herausfordert. Nicht umsonst verweist der nahe Berlin lebende Autor darauf, dass „wir das geschafft haben“.

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