Flucht! Nach vorne…

Angriff ist die beste Verteidigung dachte sich der SPD-Kanzlerkandidat und begab sich auf eine bemerkenswerte Flucht nach vorne. Die totale Transparenz bis auf den letzten Cent versprach er mit Blick auf seine Nebeneinkünfte. Das ist mutig und wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, seine Glaubwürdigkeit zu demonstrieren. Es soll hier allerdings nicht der Eindruck erweckt werden, dass Geldverdienen schlimm sei – im Gegenteil!

Dennoch birgt diese „neue“ Offenheit für Steinbrück auch Gefahren: Zum einen hat Peer Steinbrück in kurzer Zeit einen Nebenverdienst erzielt, das für viele seiner potenziellen Wähler eher ein Lebensarbeitseinkommen sein dürfte. Außerdem bleibt die Frage, wie er neben seinem Abgeordnetenmandat – in der Regel ein Fulltimejob – so viel Zeit für Vorträge gehabt hat? Selbstredend bestreitet Steinbrück, dass das Mandat zu irgendeinem Zeitpunkt unter seinen Vortragsaktivitäten gelitten habe. Wie holprig sich das anhört, weiß jeder, der sich schon einmal einen 12-16-Stundentag eines Bundestagsabgeordneten mit Wahlkreis (okay, den hat Steinbrück nicht, er ist 2009 über die NRW-Landesliste in den Bundestag eingezogen) aus der Nähe angeschaut hat. Nicht zuletzt hat der Kandidat seinesgleichen brüskiert mit der größtmöglichen Transparenz. Nicht nur die Parlamentarier der Opposition sind erstaunt über so viel Offenheit. Auch in seinen eigenen Reihen rollt man hinter vor gehaltener Hand die Augen. Aber gut, dass dürfte der gewievte Taktiker einkalkuliert haben.