ExZOOtisch

dpa/Augsburger Allgemeine 2011
dpa/Augsburger Allgemeine 2011

Dieser Tage erfährt ein Politiker eine mediale Renaissance, der vor etwas mehr als zwei Jahren als politisches Hackfleisch mit Aussicht aufs Höllenfeuer galt. Es ist niemand geringeres als der Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Er hat wohl wie kein anderer alle Höhen und Falltiefen in der Politik durchlebt. Erstaunlich ist, dass seine vormals schärfsten Kritiker – sowohl in den parteiübergreifenden politischen Reihen als auch in den Medien – mitunter derzeit voll des Lobes über den stets staatsmännisch auftretenden Minister sind. Als normaler Mensch muss man sich fragen, was treibt einen Menschen an, der die schlammigen Niederungen politischer und öffentlicher Häme – besonders im „anonymen“ Internet – durchwatet hat und sich nicht in seinem Tun, politische Verantwortung zu übernehmen und zu tragen, abbringen lässt? Guido Westerwelle ist wohl das exotischste Polit-Tier im politischen Zoo der deutschen Hauptstadt. Ein bürgerlicher Schwuler, der sich nicht einmal dem Zuspruch seiner „eigenen Gruppe“ gewiss sein kann und konnte. Die linken Schwulengruppierungen haben genauso gegen ihn gehetzt wie alle anderen auch, die diesem neo-liberalen Parvenü ans Leder wollten. Dass Politik kein Geschäft mit eingebauter Dankbarkeit ist, musste Westerwelle auf dem Höhepunkt seiner Karriere nach der Bundestagswahl 2009 erfahren. Vielleicht ist er aber auch Opfer seines eigenen Erfolges geworden, der im Prinzip gar nicht sein Erfolg war: 14,6 % für die FDP am Wahlabend, das war ein Schluck aus der Pulle. Der Volksmund sagt aber zurecht: Übermut tut selten gut! Damit begann der schleichende Verfall des politischen Einflusses des selbsternannten FDP-Superstars und Rächer aller Steuerzahler, der sich nicht zu schade war, in früheren Zeiten mit einem Guido-Mobil durch die Lande zu fahren, im Container zu wohnen oder sich eine 18 auf die Schuhsohlen zu malen. Was sollte das eigentlich seinerzeit bedeuten? Dass man ein Ergebnis von 18 % mit Füßen tritt? Rätsel taten sich auf.

Umso bemerkenswerter sind die aktuellen Reportagen über den Minister. Das SZ-Magazin z.B. spendierte ihm kürzlich sechs Seiten und auch der manchmal bissige Hans-Ulrich Jörges im STERN lässt Westerwelle ausführlich zu Wort kommen und ihn seine Seelenlage erklären. Treibt den einen oder anderen das schlechte Gewissen? Politiker „schlachten“ ist bedauerlicherweise kein Tabu mehr. Sie selbst und ihre Arbeit zu würdigen erscheint mitunter als ein „Über-den-Schatten-Springen“. Es ist gut, dass ein Pendel auch zurück schlagen kann. Viele haut es jedoch schon beim Ausschlagen in die eine Richtung um. Darum tut es dem politischen Beobachter gut, an Westerwelle sehen zu können, dass eine Art Rehabilitation durchaus möglich ist. Vielleicht trägt diese Beispiel auch dazu bei, den angeblichen Schmutz vom politischen Geschäft ein wenig abzuklopfen.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.