Energieunabhängigkeit um jeden Preis?

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Am 24. Mai wird die ukrainische Regierung mit dem britischen Energieunternehmen Shell einen Vertrag unterzeichnen, der es Shell erlaubt, im Osten der Ukraine Schiefergas zu fördern. Die U.S. Energy Information Administration geht davon aus, dass die Ukraine über 1,2 Billionen Kubikmeter des unkonventionellen Gases verfügt. Die Förderung von Schiefergas könnte die Ukraine aus der zunehmend einseitigen Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen befreien und den Gaspreis für die Ukraine erheblich senken.

Dass die Fracking-Methode hierzulande und auch in der EU umstritten ist, ist nicht neu. Neu ist, dass diese Methode, trotz Bedenken, starke Anerkennung findet und zwar, weil es Ländern dabei helfen könnte, sich aus ihrer Abhängigkeit zu lösen. Es ist zu vermuten, dass die Ukraine sich noch immer an die Winter in 2006 und 2009 erinnert, als Russland das Gas abgeschaltet hat. Zwar ist bislang noch immer unklar, wer im Recht war. Fakt ist aber, dass unschuldige Konsumenten darunter leiden mussten und die Ukraine vor der Frage stand, ob ihre Energieversorgungssicherheit unter diesen Umständen weiterhin gewährleistet werden kann.

Aber auch die EU stellte sich die Frage und verlagerte ihr Interesse in die instabilen Regionen der strategischen Ellipse, wo sie einen Pipelinebau ins Leben gerufen hat, der von der politischen Agenda verschwunden ist, da die nötigen Mittel für die Durchsetzung des Projekts und die nötigen Gasquellen fehlen. Die Rede ist von Nabucco, das mittlerweile kein Großprojekt mehr ist, sondern nur noch in Teilen verwirklicht werden kann.

Vielleicht sollte die EU, unter diesen Umständen, besser auch auf das Fracking setzen. Denn auch für die EU könnte es sich lohnen, Schiefergas zu fördern und alle Probleme aus dem Weg zu räumen. Doch die entscheidende Frage wird sein: Wie weit würden wir gehen, um unsere Energieversorgungssicherheit weiterhin gewährleisten zu können? Würden wir dazu Methoden einsetzen, die noch nicht ganz erprobt wurden und die ganz offensichtlich unserer Umwelt und uns selbst schaden? Diese Fragen bleiben unbeantwortet, denn die öffentliche Debatte rund um das Thema Fracking und Schiefergas verläuft eher lasch und unkoordiniert. Es ist noch immer unklar, welche Potenziale dahinter stecken, auch wissen wir bisweilen nicht, wie gefährlich die Förderung wirklich ist. Und auch viele Unternehmen greifen zu der Methode ohne zu wissen, was sie da genau tun und ob sie damit jemandem schaden.

 

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