Elektromobilität: Einfach Stecker ziehen?

EMobilitätZwei Tage Elektromobilitätskonferenz in Berlin. Showdown für die Politik: Minister, Kanzlerin und jede Menge Interessenvertreter. Das Ziel von 1 Mio. Elektroautos bis 2020 soll vorerst bleiben. Verkehrsminister Dobrindt: „Wer mit unmotivierten Zielen an seine Arbeit geht, der wird auch nicht erfolgreich sein.“ Seit Verabschiedung des Nationalen Entwicklungsplanes Elektromobilität (NEP) durch die Bundesregierung im August 2009 haben sich zahlreiche Initiativen und Plattformen rund um die E-Mobilität gegründet – doch davon ein ander Mal mehr an dieser Stelle. Heute schlicht ein paar Fakten.

Durchaus interessant, was die WELT aus einer aktuellen PwC-Studie zu berichten weiß:
– 724 Terawattstunden (TWh) Endenergie gehen in den Personen- u. Güterverkehr (Vergleichszahlenliebhaber schauen bitte beim Arbeitskreis Energiebilanzen).
– CO2-Ausstoß im Verkehrssektor zw. 1990 und 2013: nur minus 4,5%
– 153 Mio. Tonnen CO2-Ausstoß 2014 = Wert von 2003; also kaum Veränderung
– Anteil der fossilen Energieträger beim Kraftstoffverbrauch: 94%
– Anteil erneuerbarer Energieträger im Verkehrssektor: 4,5%
– Anteil erneuerbarer Energien im Strommarkt insgesamt: 27%
– 28% des Gesamtendenergieverbrauchs in Dtl. im Verkehrssektor
– 82% davon entfallen auf den automobilen Verkehr
– 14,5% auf die Luftfahrt und 3% auf die Bahn
– Flottenreduktion CO2-Ausstoß (2014): 2,6%
– derzeit sind 19 E-Auto-Modelle am Markt; geplant bis Ende 2015: 29
– BMW i3 16.000 Mal verkauft in 2014 – alledings nur wenige in Deutschland
– Anteil der E-Auto-Neuanmeldungen am Gesamtmarkt: 0,2%
– insgesamt gibt es aktuell in Deutschland ca. 25.000 Elektroautos (Hybrid eingeschlossen)
– 5.500 öffentliche Ladestationen gibt es Dtl. – Bundesregierung plant 2020 bis zu 50.000; EU-Kommission fordert gar 150.000
– Kosten pro Ladestation: ca. 10.000 €

Was nun? Was tun? Das Ziel der Elektrisierung des Autos aufgeben? Es den Markt regeln lassen und darauf bauen, dass die Autofahrer freiwillig „sauberer“ werden?

Unisono fordern Teile der Politik (wiederholt Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies) und natürlich die Wirtschaft (u.a. BMW-Vetriebsvorstand Robertsen) die steuerliche Förderung der leisen und relativ schadstoffarmen Autos.

Hauptknackpunkte:
– Anschaffungskosten hoch
– Reichweite derzeit noch gering
– Ladeinfrastruktur für den Verbraucher undurchsichtig
– Finanzierung der Ladeinfrastruktur über die Stromrechnung würde „Ewigkeitsförderung“ heraufbeschwören; und: nur wenige fahren elektrisch
– noch liefern die Otto- und Dieselmotoren der Industrie hohe Margen – never change a winning engine…!

Prognose: Durch die Aufrechterhaltung des Ziels 2020 der Bundesregierung bleibt kurzfristig weiter Druck im politischen Kessel. Viele Enthusiasten, Tüftler und Idealisten treiben das Projekt. Über kurz oder lang werden Kosten für fossile Kraftstoffe so stark ansteigen, dass die Nachfrage nach elektrischen Autos von allein in die Höhe schnellt. Außerdem: die Verschmutzung der Städte durch Abgase Lärm und ästhetisch („Straßenlandautos“) werden sich die Menschen nicht dauerhaft gefallen lassen.

Wir bleiben dran!

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.