Ein Urteil für die Freiheit

Foto: flickr.com/audiocomplex
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Das Urteil des BGH gestern in Sachen Sturzhelm beim Fahrradfahren, ist ein gutes Urteil – das gleich einmal vorweg. Es gibt keine Helmpflicht für Fahrradfahrer in Deutschland und der dieser Entscheidung zugrunde liegende Vorgang basiert auf einem Unfall, bei dem eine Radfahrerin ohne Helm und eigenes Verschulden an den Kosten ihres Unfalls beteiligt werden sollte. Das klingt vordergründig sogar danach, dass die armen Versicherungen auch gucken müssen, wo sie bleiben. Das Urteil hat aber über den konkreten Fall, der zur Entscheidung stand, hinausweisenden Charakter.

Nicht alles in unserem Land muss bis ins kleinste Detail vorgeschrieben sein. Natürlich schützen Helme bei Stürzen. Auch beim Skifahren gibt es keine Helmpflicht. Seit dem Unfall von Ex-Ministerpräsident Althaus seinerzeit tragen die meisten Skifahrer jedoch freiwillig einen Helm. Er schützt aber auch nicht vor allen Unbillen – das wiederum hat der Unfall von Michael Schumacher gezeigt. Ähnlich verhält es sich beim Fahrrad: Die Knautschzone, wie Patrick Schnieder richtigerweise in der HuffPost schreibt, fehlt beim Fahrrad – egal ob mit oder ohne Helm.

Das Urteil des BGH weist in Richtung Eigenverantwortung und das ist gut. Jeder erwachsene Mensch – wenn Eltern ihren Kindern einen Helm verordnen, ist das etwas anderes – kann und soll selbst entscheiden, welche Kopfbedeckung er auf dem Fahrrad wählt. Gerade in der Großstadt herrscht oft ein bisschen wild-west. Da ist es viel wichtiger, dass Fahrradfahrer alle Verkehrsteilnehmer und -tücken im Blick haben, weil sie im Zweifel die Schwächeren sind. Umgekehrt gibt es aber auch viel zu viele Autofahrer, die vermutlich nie oder nur sonntags überhaupt auf dem Fahrrad sitzen und keine Ahnung haben, wie es sich anfühlt, von mehreren Tonnen Blech eingekeilt zu sein. Von den „Hobby-LKW-Fahrern“ (SUV genannt), deren Autos größer sind als ihr eigener Horizont (da kann jeder reininterpretieren, was er möchte) einmal ganz abgesehen.

Ein bisschen mehr Verständnis für einander und ein bisschen weniger Pochen auf das eigene „Recht“ würde die Straßen insgesamt sicherer machen. Etwas, das wir in Zukunft noch dringlicher brauchen, wenn wir den Verkehrsprognosen des BMVI bis 2030 Glauben schenken wollen.

 

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.