Ein unbekannter Teil deutscher Geschichte

Heute vor 71 Jahren beschloss die Partei- und Staatsführung der UdSSR, alle Wolgadeutschen umzusiedeln. Die sowjetische Führung glaubte, dass die Wolgadeutschen, die auf ein Signal aus Deutschland, Sprengungen an der Wolga vornehmen könnten. Mit der Zwangsumsiedlung tausender Deutscher nach Kasachstan,  Sibirien und Mittelasien, zerbrach die Kultur der Wolgadeutschen. Erst Jahre später, nachdem sich die Anschuldigungen der Spionage als falsch erwiesen,  durften diese in ihre Heimat an der Wolga zurückkehren.

Aber, was interessieren uns die Wolgadeutschen? Interessanterweise sind sie Teil der deutschen Geschichte. Leider ist sie nur wenigen bekannt.  Als Katharina die Große 1762 ein Einladungsmanifest für ausländische Kolonisten zur Niederlassung in Russland erlässt, kommt es zu einer Massenansiedlung von Deutschen in das Wolgagebiet. Sie sollen arbeiten und zum Wohlstand der Nation beitragen. Deutsche aus Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nehmen die Einladung an, die ein besseres Leben in Russland verspricht.

Nach der Zwangsumsiedlung 1941 nach Kasachstan, Mittelasien und Sibirien bleiben die meisten der Wolgadeutschen dort. Sie führen ihr Leben weiter und integrieren sich in die russische Gesellschaft. Sie sprechen die russische Sprache, sie leben die russische Kultur. Sie sind Russen. Sie gebären Kinder, die sich der Kultur anpassen und sowjetische Universitäten besuchen. Doch wirklich angekommen sind sie in der Gesellschaft  nie. Laut ihrem Pass sind sie Deutsche und das werden sie bis heute bleiben.

Seit der Wende kehren immer mehr Spätaussiedler, so werden sie heute genannt, zurück in ihre ursprüngliche Heimat. Wie ihre Vorfahren vor 250 Jahren, hoffen  sie auf ein besseres Leben.  Aber auch hier fühlen sich die meisten fremd und unverstanden. Viele wollen wieder zurück. Doch Russlanddeutsche sind Teil der deutschen Geschichte. Sie sind Deutsche und ihre Wurzeln reichen bis in die Zeit Katharinas II. Sie haben die deutsche Staatsbürgerschaft von Geburt an. Sie sind keine Ausländer. Dass sie ein Teil dieses Landes sind, wissen nicht viele.

Der 28. August ist daher ein denkwürdiger Tag, der an einen Teil der deutschen Geschichte erinnert, die immer mehr in Vergessenheit gerät. Dieser Blogbeitragen will dazu beitragen, dass er unvergessen bleibt.

Weitere Informationen zur Geschichte der Russlanddeutschen und zur Zwangsumsiedlung finden Sie hier und hier.

 

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