E-Health: Innovation im Schneckentempo

Foto: Luis Llerena
Foto: Luis Llerena

Deutschland gilt seit jeher als das Land der Dichter, Denker und Erneuerer. Das Automobil wurde hier erfunden, zwischen Nürnberg und Fürth fuhr eine der weltweit ersten Eisenbahnen und auch das Format .mp3 wurde in Deutschland entwickelt? Und das Gesundheitswesen?

Hier passen wir uns nach Jahrzehnten im analogen Zeitalter ganz langsam anderen Ländern in Europa an. Den großen Meilenstein soll hierbei das E-Health-Gesetz bilden, das Ende 2015 verabschiedet wurde. Ziel ist nichts geringeres als die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dazu gehört die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte genauso wie ein elektronischer Medikationsplan.

In vielen EU-Ländern ist dies bereits Standard. Dort geht es eher darum, wie man etwa die Sprechstunden beim Arzt per Video patientenfreundlicher, die Einlösung von Rezepten beim Apotheker effizienter und sicherer gestalten kann. Währenddessen heißt es aus dem BMG, dass eine derartige Fernbehandlung per se nicht zulässig ist. Kein Wunder also, dass auch deutsche Investoren wie Project A aus Berlin in schwedische Startups wie z.B. Kry, welche die Technologie für Videosprechstunden entwickeln, ihr Geld lieber im Ausland anlegen. Währenddessen sorgt die Versandapotheke DocMorris in Hüffenhardt für Aufsehen, weil sie in einer stillgelegten Apotheke mittels einer Video-Apotheke und einem Abgabe-Automaten die medizinische Versorgung in diesem Ort wiederherstellen und gewährleisten will.

Wo Innovation ist, darf natürlich auch Apple nicht fehlen. Der Technologie-Gigant aus dem Silicon Valley hat jüngst einen Patent-Antrag gestellt, der auf ein EKG-Gerät in der Apple-Watch hinweist. Hierzulande wäre im Zweifelsfall das (selbstverständlich wichtige) Argument des Datenschutzes als Innovationsblockierer auf den Plan getreten. Oder die Frage, ob eine Gesundheits-App nun als Arznei-, Hilfs- oder Heilmittel zu betrachten wäre, die jeweils unterschiedlichen Auflagen unterliegen.

So ist es zwar erfreulich, dass sich im Jahr 2016 auch Deutschland einem modernen Gesundheitswesen öffnet. Aber es könnte nun mal schneller gehen.

 

 

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

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