Die Unendliche Geschichte des BER | Tessa Ludolph

Foto: Christoph Settgast |

Foto: Christoph Settgast | cc Lizenz 2.0

Seit Jahren treibt die Pannen-Serie des BER nicht nur Berlin, sondern ganz Deutschland um. Die geplante Öffnung 2007 ist, durch eine Vielzahl weiterer Eröffnungsdaten (2011, 2012, 2013…), schon fast in Vergessenheit geraten. Neues Ziel: 2017.

Gestern Mittag wurde nun der Bericht des Berliner Untersuchungsausschusses zum Problemflughafen veröffentlicht. Auf insgesamt 1269 Seiten sollte geklärt werden, wer die Verantwortung für dieses Desaster trägt.

Das Ergebnis: „Seriöserweise kann in einem derart komplexen Projekt nur von einer Verflechtung geteilter Verantwortlichkeiten gesprochen werden.“ Anders gesagt verantwortlich ist niemand so richtig, und doch alle. Ein „kollektiver Wirklichkeitsverlust“ und eine Projektkultur „die Anzeichen für Fehlentwicklungen und teils alarmierende Warnungen externer Stellen systematisch ausblendete“ haben, neben der langjährig praktizierten Abschiebung von Verantwortlichkeit, ihr Bestes dazu beigetragen, dass der Bau des BER bald 10 Jahre nach der geplanten Eröffnung noch immer nicht fertig ist.

Soweit so bekannt. Aber lassen sich aus dem Bericht, dem Dreieinhalb Jahre Aktenanalyse zu Grunde liegen, auch etwas Neues ziehen? Es scheint nicht so. Dass es sich um einen katastrophalen Projektverlauf handelt, ist weitgehend bekannt. Und auch, dass das Projekt durch eine Vielzahl von Projektbeteiligten bestritten wurde, die eben dieser Projektkultur gefolgt sind, ebenso. Auf dieser Grundlage wurde nun entschieden, dass niemandem so recht zur Verantwortung gezogen werden kann. Das Ende vom Lied ist also: wer nach einem Verantwortlichen sucht, greift ins Leere. Die Kosten dafür trägt die Gesellschaft. Nach aktuellen Schätzungen rund 6,5 Mrd. Euro. Neue Erkenntnisse? Nicht wirklich.

Eine weitere Frage, die noch offen war: Zu welchem Zeitpunkt hat der damalig regierende Bürgermeister Wowereit erfahren, dass der Eröffnungstermin für Juni 2012 gefährdet war? Das Urteil des Untersuchungsausschusses: Diese Frage bleibt weiterhin unbeantwortet, „da eine Konfrontation des Zeugen Wowereit mit der Aussage des Zeugen Prof. Dr. Schwarz nicht mehr erfolgte“.

Das Fazit: Viele Fragen, vage Antworten, keine Konsequenzen.

Natürlich ist es bei einem Mammutprojekt wie dem Flughafen BER leicht, als Außenstehender Kritik zu üben und die Arbeit des Untersuchungsausschusses in Frage zu stellen – aber die nun vorliegenden Ergebnisse provozieren förmlich eine Welle der Entrüstung.

Und damit endet die Diskussion über die Arbeit des Untersuchungsausschusses, nicht aber die unendliche Geschichte des BER.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.