Die Recherche

In meinem letzten Beitrag für die  Rubrik „Arbeitstechniken“  habe ich mich der Stakeholderanalyse gewidmet. Die Stakeholderanalyse ist ein wichtiges Element der Lobbyarbeit. Sind meine Stakeholder identifiziert, gilt es weitere Grundlagen für mein strategisches Vorgehen zu schaffen und auf die bisherigen Ergebnisse aufzubauen. Ich muss mein Umfeld analysieren, um weitere, taktisch kluge  Entscheidungen zu treffen.

An dieser Stelle kommt die Recherche ins Spiel. Wer glaubt, recherchieren sei einfach und das könnte doch jeder, der irrt. Auch bei der Recherche gilt es in erster Linie strukturiert vorzugehen, um ein effektives Ergebnis zu erreichen. Denn eine gute Recherche bildet die Grundlage für eine gute Strategie.

Der Begriff Recherche wird aus dem französischen Verb „rechercher“ (suchen nach) abgeleitet und bezeichnet die systematische Suche nach relevanten Informationen.  Wie schon bei der Stakeholderanalyse muss ich mir zunächst meine Ziele bewusst machen. Wonach suche ich? Für wen und wofür sind die Informationen relevant? Außerdem muss ich mich fragen, ob ich mein Thema und meine Ausgangshypothese ausreichend definiert habe und ob ich ggf. einen Rechercheplan aufstellen sollte. Ein Rechercheplan, in dem ich meine zeitliche Abfolge und die einzelnen Schritte festlege, hilft mir dabei meine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Welche Reihenfolge ist die vorteilhafteste? Was ist bereits bekannt?

Man unterscheidet zwei Arten von Informationsquellen: Primäre und sekundäre Quellen. Primäre Quellen umfassen alle Informationen, die direkt mit dem Stakeholder in Verbindung stehen und offiziell sind, wie z.B. Pressemitteilungen, Reden, Interviews oder Informationen auf der eigenen Website. Sekundäre Quellen hingegen sind reflektierte Aussagen und ausgewertete Fakten, wie beispielsweise die mediale Berichterstattung. Wenn ich also sekundäre Quellen für meine Recherche benutze, gilt es diese mit Skepsis zu betrachten und dabei darauf zu achten, dass meine Quelle  aktuell, objektiv, glaubwürdig und verlässlich ist.

Gerade bei dem Kriterium „Aktualität“ ist es äußerst wichtig zu kontrollieren, dass meine Informationen „nicht von gestern“ sind. Denn nur Informationen, die auf dem neuesten Stand sind, helfen mir dabei die Situation möglichst gut einzuschätzen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Objektivität. Ist die Information voreingenommen? Nimmt der Autor Wertungen vor, die schaden könnten bzw. die nutzen könnten? Welches Motiv verfolgt der Autor, wenn er Wertungen vornimmt? Auch die Glaubwürdigkeit der Quelle muss überprüft werden. Sind Text und Autor verlässlich und seriös? Verfügt die Seite über Kontaktmöglichkeiten oder ein Impressum? Seriöse Tageszeitungen können beispielsweise unkritischer betrachtet werden als Blogs.  Last but not least gilt es die Verlässlichkeit in Frage zu stellen. Finde ich meine Informationen auch in anderen Quellen? Kann ich meine Quelle absichern? Gelingt es mir mehrere voneinander unabhängige Quellen zu vergleichen oder muss ich meinen Kunden darauf aufmerksam machen, dass die Quelle nicht verifiziert werden konnte?

Grundsätzlich ist es erforderlich meine Informationen einzuordnen. Die Recherche ist kein Selbstzweck, vielmehr muss ich einen Bezugsrahmen herstellen und mögliche Handlungsoptionen aufzeigen. Der Empfänger soll nicht nach recherchieren müssen, um meine Verlässlichkeit als Berater zu überprüfen. Nicht die blinde Weiterleitung von Informationen, sondern das Bilden einer Entscheidungsgrundlage macht eine gute Recherche aus.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.