Die deutschen Medien als Sprachrohr von ISIS

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Freitag, der 13. November 2015 ging für alle friedliebenden Menschen, egal, ob christlich, jüdisch oder muslimisch, egal, ob französisch, israelisch oder türkisch, als tragischer Tag in die Geschichtsbücher ein. Für ISIS war dies eine Art Launch für eine PR-Kampagne der grausamen Art.

Gibt man bei Google den Begriff „ISIS“ ein, so werden einem seit dem 13. November mittlerweile mehr als 270 Mio. Suchergebnisse gezeigt. Und das gerade mal drei Wochen nach den Terroranschlägen.

Auch die Zeitungen sind angesichts der außerordentlichen Dimension der Terroranschläge natürlich täglich voller Artikel und angeblicher Neuigkeiten über diese terroristische Bewegung. Dabei wird jedoch nicht nur die neutrale Wiedergabe von Informationen betrieben, die Terroristen erhalten zunehmend ein Gesicht und eine Identität. Als „Terror-Pate“ und Mastermind wird etwa der Drahtzieher Abdaaoud nach den Anschlägen von Paris bezeichnet.

Nun kann man damit argumentieren, dass die verschiedenen Fernsehsender und Zeitungsredaktionen nur den Wunsch ihres Publikum nach möglichst vielen Informationen und Transparenz nachgibt. Jedoch entsteht durch diese Überflutung an Meldungen zu ein und demselben Thema die Gefahr, dass Leute die Informationen nicht mehr im Gesamtkontext wahrnehmen, sondern sich vor allem (unbewusst) auf die Gesichter hinter dem Terror konzentrieren und anfangen, die Beschreibung als „Mastermind hinter den Terroranschlägen“ als etwas gar nicht mal so Negatives zu identifizieren. Plötzlich findet eine Verbrüderung mit denjenigen statt, die die eigene Freiheit bedrohen. Eine Art mediales Stockholm-Syndrom, wenn man so will. Ein Umstand, den auch US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump neulich zu Recht kritisiert hat.

Seit jeher scheint es, als passiert auf der Welt nichts anderes mehr außer Terror. Von früh bis spät wird jede noch so kleine Meldung, die eventuell einen terroristischen und vor allem ISIS-Bezug haben könnte, groß aufgekocht und zum „Breaking News“-Thema gemacht. Wirtschaft, Soziales, Sport und andere Alltagsthemen geraten nicht nur in den Hintergrund, sondern werden nun geradezu als nicht mehr berichtenswert behandelt. ISIS dominiert die westlichen Medien und bezahlt noch nicht mal einen Cent dafür. Und das ist letztlich genau das, worauf sie abgezielt haben. Hysterie und ein ständiges Grundrauschen, dass zu weiterer Hysterie führt – und am Ende zu Maßnahmen verleitet, die Sicherheit eindeutig vor Freiheit stellen. Wollen wir das wirklich?

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

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