Deutschlands Bauvorhaben – zwischen Rekonstruktion und Neubau

loewe.chr | CC license by 2.0

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Dieser Tage wird in den deutschen Städten soviel gebaut, wie schon lange nicht mehr. Dabei genießen Großprojekte, wie Stuttgart 21, die Elbphilharmonie in Hamburg und der BER besondere mediale Aufmerksamkeit.

Unter genauerer Betrachtung der einzelnen Bauvorhaben fällt ein weiterer Trend auf: Die Rekonstruktion von historischen Stätten erlebt momentan Hochkonjunktur. Jüngst hat sich die Zeitung DIE WELT mit den „Motiven der Neuerschaffensfreude“ auseinandergesetzt. Es handelt sich zumeist um Städte, die die Zerstörungswucht des Zweiten Weltkrieges besonders hart zu spüren bekommen haben. In Zeiten des Wiederaufbaus war allein schon aus Kostengründen an eine Rekonstruktion des zerstörten Stadtbildes nicht zu denken – noch wurde nach dem Leitbild architektonischer Ästhetik gebaut.

Mittlerweile können wir uns von der reinen Zweckmäßigkeit der Nachkriegsbauwerke emanzipieren und wieder zu den „Wurzeln“ zurückfinden. Ein schönes Beispiel zeigt sich in Potsdam: Mit der Wiedereröffnung des Landtages ist das Stadtbild des klassischen Potsdams nahezu wiederhergestellt. Einziges Manko: Der Lustgarten, in dem schon preußische Könige lustwandelten, fehlt. An dessen Stelle steht seit Ende der 60er Jahre das Hotel Mercure in Form eines grauen Betonklotzes. Wenn es nach dem Willen des Oberbürgermeisters Jann Jakobs (SPD) ginge, würde sich das schnell ändern. Er plant eine Bürgerwiese, die für Festivitäten und weitere Anlässe genutzt werden kann. Allerdings sieht das ein Großteil der Potsdamer anders … Insbesondere jene, die den Wiederaufbau miterlebten und die mit dem Hotel Mercure und anderen Bauwerken aus jener Zeit Gefühle, wie Hoffnung und Aufbruch verbinden.

Dieses Spannungsfeld zeigt sich auch Menschen in anderen Städten, die die vergangenen Jahre zwischen Rekonstruktion und Neubau erlebten, wie z.B. Deutschlands Elbflorenz Dresden, Frankfurt am Main und natürlich Berlin. Letzteres nimmt mit dem Neubau des Berliner Schlosses eine besondere Stellung in der Debatte ein.

Deutschlands Städte profitieren von den ambivalenten Baustrategien in jedem Fall.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.