Der Schiefergas-Schock oder der Kampf um die Vorherrschaft im Energiesektor

Fast 60 Jahre nach dem sogenannten Sputnik-Schock, den die Amis erlitten haben, erleben die Russen wohl den Schiefergas-Schock: Dank den neuen unkonventionellen Reserven wurden die USA innerhalb weniger Monate an die Spitze der Erdgasförderländer katapultiert.  Der Kampf um die Vorherrschaft wird also neuerdings nicht mehr im Weltall ausgefochten, sondern tief unter der Erde.

Wer hätte das gedacht, noch Monate zuvor hat die Internationale Energieagentur  (IEA) prophezeit, dass die US schon bald mehr Energie importieren müssten, als Ihnen eigentlich lieb wäre. Doch so schnell kann sich die Lage ändern: Heute sind die USA auf dem Vormarsch in ein neues Energiezeitalter und das ist für das Land mehr als erfreulich.

Unternehmen wie Chevron preschen immer weiter auf der politischen Landkarte vor, auf der Suche nach weiteren Schiefergasvorkommen und machen Russland, dem einst größten Energieproduzenten und wichtigstem Energielieferant Europas, Konkurrenz. Gerade deshalb weil sich Chevron immer weiter gen Süden bewegt und das Schiefergas-Virus verbreitet.
Es mag sein, dass die Europäer  die unkonventionelle Förderung negativ beäugen, aber wenn der Gaspreis weiter  sinkt, wird das russische Gas, dessen Lieferung über Langzeitverträgen verhandelt wird, zunehmend unattraktiver.  Hat also der Kampf um die Vorherrschaft im Energiesektor begonnen oder machen wir uns da etwas vor?

Nun, einerseits, ist Schiefergas eine durchaus gute Alternative zu konventionellem Erdgas, dessen Förderung immer schwieriger wird, nicht zuletzt deshalb, weil die Förderquellen nur schwer zugänglich sind oder meist von staatlichen Erdgas- und Erdölfirmen kontrolliert werden, die die Gasförderung von politisch-strategischen  Leitgedanken abhängig machen.  Soweit so gut.
Andererseits, ist Schiefergas umweltpolitisch umstritten. Gerade in Deutschland, in dem Land, das die Energiewende ins Leben gerufen hat,  sind Politiker wie Öffentlichkeit skeptisch gegenüber dem Schiefergas: Und zwar in erster Linie deshalb, weil das Schiefergas die energiepolitischen Ziele, die mit der Energiewende einhergehen, unterminieren würde. Denn eigentlich will man weg von fossilen Energieträgern. Aber wenn sich das Schiefergas als die rentabelste Alternative erweisen sollte, dann bleibt auch die Energiewende auf der Strecke. Und das ist das Hauptproblem rund um die Schiefergas-Debatte.
Die EU sieht das dagegen anders: Für die EU-Kommission ist Schiefergas eine mögliche, wenn nicht sogar, eine wichtige Alternative. Allerdings will die EU erst nach einer Konsultation mit wichtigen Stakeholdern  entscheiden, welche Richtung eingeschlagen werden soll.  Dass Lieferungen ggf. aus den USA kommen könnten (zwar erst ab 2015, so schätzt man) oder dass die EU selbst fördert, ist vielleicht gar nicht so ausgeschlossen…

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Schiefergas in jedem Fall einen „game changer“ darstellt, der nicht nur die Geopolitik verändert, sondern auch die Energiepolitik maßgeblich mitbestimmen wird. Welche Auswirkungen das jedoch auf die außenpolitischen Beziehungen zwischen den USA und Russland haben wird, vermag die Autorin zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sagen. Hoffen wir mal, dass der Schiefergas-Schock lediglich  eine Metapher bleibt.

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