Der Prozess des Jahres?

Vielleicht ist der Titel etwas reißerisch, aber der morgen beginnende und nur für vier Tage angesetzte Steuerhinterziehungsprozess gegen den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß wird nicht nur für weiteres Aufsehen sorgen, sondern viele Diskussionen im Lande neu befeuern. Das kann von „die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“ bis hin zur Frage nach international wirksamen Steuerabkommen zum Austrocknen der berühmten Oasen reichen. Im zurückliegenden Jahr ist viel berichtet worden zum Thema. Die SZ titelt heute ob der nur vier angesetzten Verhandlungstage „Kurzer Prozess„. Seit dem Bekanntwerden des Falls im vergangenen April gab es auch im Deutschen Bundestag eine aktuelle Stunde dazu – ich hatte an dieser Stelle damals darüber berichtet. Uli Hoeneß polarisiert.Er ist zweifellos einer der erfolgreichsten Sportfunktionäre – ja, man kann sicher sagen weltweit. Hoeneß hat ein beachtliches soziales Engagement vorzuweisen. Das hängt er offenbar gar nicht an die große Glocke, was Sympathien erzeugt. Er galt immer als Aufrechter, als Vorbild für Politik(er) und Menschen – weit über die FCB-Fans hinaus. Gerade dieser Punkt macht den Fall so tragisch: Er ist ein bisschen wie Ikarus, dem nach seinem übermütigen Höhenflug die Flügel schmolzen und der tiefe Fall unabwendbar wurde.

Spekulieren über den Ausgang des Prozesses hat wenig Sinn. Die Aufgabe für Staatsanwaltschaft und am Ende Richter Rupert Heindl ist keine leichte. 3,5 Mio. € stehen im Raum. Lt. BGH-Urteil aus 2008 kann ab 1 Mio. € eine Strafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Kernfrage, die es zu klären gilt, lautet: Hat Hoeneß eine „ehrliche“ Selbstanzeige (im Übrigen ein absoluter USP im deutschen Steuerrecht) aufgegeben – also bevor er Wind von Recherchen des STERN bekommen hatte? Wenn er das beweisen kann, könnte ihm das sicher als Pluspunkt ausgelegt werden. Das wäre allerdings doch ein wirklich merkwürdiger Zufall. Dass er ohnehin zugewartet hat, weil er auf das deutsch-schweizerische Steuerabkommen gehofft hatte, liegt auf der Hand. Ein bisschen wird Herr Hoeneß die nächsten Tage sicherlich auch in Gottes Hand sein. Menschlich kann man ihm nur Kraft und Gesundheit wünschen. Was die vielbeschworene Präzedenz in diesem Fall angeht, so bleibt abzuwarten, ob auch in Zukunft noch die strafbefreiende Selbstanzeige als „goldene Brücke“ zwischen Steuer- und Strafrecht angesehen werden kann.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.