Der Nahost-Konflikt findet jetzt in Deutschland statt

Foto: hrhlolita
Foto: hrhlolita

Dieser Tage scheint es, als würde sich der Gaza-Konflikt auf deutschem Boden abspielen. Ob auf Facebook, auf der Straße oder wenn ich die Zeitung aufschlage – immer wieder begegne ich Artikeln und Statements, die darauf abzielen, den einen Staat (mittlerweile ist in den deutschen Medien daraus jedoch ein nahezu ausschließlich religionsbezogener Diskurs geworden) in Schutz zu nehmen und den anderen wiederum als Wurzel allen Übels darzustellen. Schnell haben sich sowohl in den sozialen als auch in den klassischen Medien Fraktionen gebildet, welche die Handlungen seitens Israel bzw. Hamas verteidigen/verurteilen, als stünden sie selbst an der Front.

Der jeweils gegenüberstehenden Seite wird kein Argument zugesprochen; es besteht nur eine Gesamtschuld der jeweils anderen Partei. Ebenso schnell wurden die Profilbilder von Deutschland- auf Israel bzw. Palästina-Fahnen umgestellt, um zu zeigen, auf wessen Seite man steht. Natürlich stecken dahinter zum Teil fundierte Solidaritätsbekundungen, doch nicht immer wissen die Betreffenden genau, warum sie für die eine Seite einstehen und mit der anderen nichts zu tun haben wollen. Interessieren wir uns also ernsthaft für Frieden oder geht es uns nur darum, einen Hauch von WM-Feeling zu konservieren und am Ende einen klaren Sieger zu sehen?

Es ist auch klar, dass es zur Vermarktungsstrategie vieler Zeitungen gehört, mich als Leser bei Zeiten für dumm zu verkaufen und mir trotzdem das Gefühl zu geben, über einen Sachverhalt im Bilde zu sein . Oder alle gegeneinander aufzuhetzen. So kann man am einen Tag eine friedliche Welt propagieren, in welcher es „nie wieder Judenhass“ gebe, und am nächsten Tag „den Islam“ als der Integration hinderliche Religion festmachen. Selbstverständlich steht es der Presse frei, das zu schreiben, was sich verkauft und im Zweifelsfall auch kontroverse Meinungen zu publizieren – dient dies jedoch einem Deutschland, das, wie wir gerne und zu recht stolz propagieren, weltoffen ist und eine Diversität der Kulturen ausdrücklich willkommen heißt?

Wenn wir schon in anderen Regionen der Welt nicht dafür sorgen können, dass dort Frieden herrscht, dann sollten wir uns zumindest in eigenen Gefilden verantwortungsbewusst verhalten und, anstatt Pauschalurteile zu fällen, mit gutem Beispiel vorangehen.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation. Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen? Folgen Sie ihm auf Twitter oder vernetzen Sie sich mit ihm auf LinkedIn.