Der Gasrausch

 

Für viele europäische Unternehmen, sind die USA als Wirtschaftsstandort wieder attraktiv. Wie einst Mitte des 19. Jahrhunderts hundertausende Einwanderer im Goldfieber aus aller Welt nach Kalifornien strömten, sind Unternehmen wie die BASF und Voestalpine ebenfalls in einer Art Goldgräberstimmung.

Was sich für viele Kritiker und Umweltschützer als Blasphemie anhört, wird in den USA seit 2008 zum wirtschaftlichen Erfolg: Die Rede ist vom Schiefergas, das US-amerikanische Förderfirmen aus Gesteinsschichten herauspressen und damit ihre Nation versorgen. Vorbei ist die Zeit, als die USA von Energieimporten aus Afrika oder Russland abhängig waren. Vergessen ist das Great Game am Kaspischen Meer um die Vorherrschaft über strategische Erdöl- und Erdgasreserven. Die USA konzentrieren sich auf ihre eigene Fähigkeit Energie zu fördern und katapultieren sich an die Spitze der weltgrößten Energieproduzenten.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Ist es aber nicht. Die USA könnten tatsächlich bis 2015 zum größten Erdöl- und Erdgasexporteur der Welt werden und durch Einnahmen aus dem Energieexportgeschäft nicht nur für neue Arbeitsplätze sorgen, sie könnten ihre Wirtschaft insgesamt wieder ankurbeln und den BIP steigern.  Es scheint als hätte die Nation den Glauben an sich selbst wiedergefunden, zumindest energiepolitisch.

Doch nicht alles ist Gold, was glänzt! Die Fracking-Methode, mit der das Gas aus tiefen Gesteinsschichten herausgepresst wird,  ist stark umstritten. Aus diesem Grund hält auch die EU noch immer den Ball flach und lehnt es ab, die umstrittene Gasförderung zu unterstützen. Befürworter der unkonventionellen Gasförderung meinen stattdessen, dass sich die EU eine riesige Chance entgehen lässt, wenn es auf die Fracking-Methode verzichtet. Denn alles würde sich ändern: Europa könnte auf Lieferungen aus instabilen Regionen verzichten und könnte seine teilweise einseitige Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen beenden.

Solange die Risiken der Förderung von Schiefergas unerforscht bleiben, dürfte sich in Europa diesbezüglich nichts ändern. Fest steht jedoch, dass Europa in jedem Fall den Anschluss verliert. Nicht nur bei der Energiewende, sondern auch bei der Sicherstellung von strategischen Erdgasreserven der strategischen Ellipse.  Wie lange Europa es sich leisten kann, in Energiefragen untätig zu bleiben, bleibt offen. Es ist jedoch schon jetzt absehbar, dass  sich der Standort Europa wirtschaftlich nicht zu rentieren scheint.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.