Der falsche Verzicht

UnbenanntEs ist sehr bemerkenswert, wie derzeit die Stimmung der Medien umschlägt und der Konflikt in der Ukraine weiter dazu benutzt wird, um Russland zu isolieren. Nun ist es offenbar wichtig geworden, zu erfahren, wer die vermummten „Terroristen“ sind, die hinter den Unruhen in der Ostukraine stecken. ARD, ZDF, FAZ, SPON, sie alle stellen sich diese Frage und sie alle haben die Antwort darauf bereits gefunden: Es ist von  russischer Propaganda die Rede, vom Aggressor Russland, der Terroristen in den Osten der Ukraine schickt und den Konflikt absichtlich anheizt. Auch das Referendum, so sagt man, werde dafür benutzt, um eine weitere völkerrechtswidrige Abspaltung eines Teils der Ukraine zu ermöglichen, um es Russland dann einzuverleiben.

Man kann nicht bestreiten, dass die russische Außenpolitik nicht ziellos in diesem bitteren Konflikt ist. Man sollte aber auch so fair sein und sich fragen, warum der „friedliche Konflikt“ auf dem Maidan seinerzeit nicht so analysiert wurde, wie die zivilen Ausschreitungen in der Ostukraine. Was unterscheidet die Menschen auf dem Maidan, die gegen eine diktatorische Regierung protestiert haben von den Ausschreitungen in der Ostukraine die gegen die illegale Regierung in Kiew abzielen? Und dass sie illegal ist, sollte man auch nicht bestreiten. Wo ist die EU jetzt? Warum eilt sie nicht zu  Hilfe, um diese Demonstranten, die ein klares Referendum fordern zu unterstützen? Warum ist dieses Referendum anders zu werten? Wo sind sie die politischen Unterstützer von friedlichen Bewegungen? Ist es nicht das, was die EU will: Dass das Volk entscheidet? Dass das Volk sich gegen Ungerechtigkeit auflehnt?

Ganz klar: Es wird mit zweierlei Maß gemessen und das merkt auch der Laie, der sich die Sendungen zur Ukraine-Krise anschaut und sich zwangsläufig manipulieren lässt.

Es wird auf die russischen Medien geschimpft, die Putin benutzt. Dabei sind unsere Medien selbst nicht wirklich unabhängig und ziehen alle am selben Strang, wenn es um Sensationen oder Skandale geht. Dieser Tage sind die Medien sogar dabei die Außenpolitik maßgeblich mitzubestimmen. Aber ist die Hauptaufgabe der Medien nicht eigentlich zu berichtet statt zu bewerten?

Es gibt nur noch wenige Zeitungen, die sachlich geblieben sind. Die Rede ist von Junge Welt oder die Neue Rheinische Zeitung. Allerdings wird man schief angeschaut, wen man solche linken Medien für die Meinungsbildung nutzt. Und schnell wird man wieder in eine Schublade gesteckt: Man wird zum Populisten, Radikalen, linken Aktivisten degradiert.

Schade eigentlich, dass wir in diesen Schubladen denken und uns selbst dafür geißeln, wenn wir mal ein linkes Medium lesen. Dabei ist es nicht verwerflich sich auch anderweitig zu informieren und trotzdem konservativ zu sein.

Die deutsche Medienlandschaft ist zu einem Meinungsmache-Markt verkommen. Wir denken nicht mehr selbst, sondern uns wird das Denken abgenommen. Und wir merken nicht, dass wir Verzicht üben: Verzicht, den eigenen Kopf zu benutzen und über den Tellerrand zu blicken.

 

 

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.