Der Begriff „Energiewende“ darf sich nicht inflationieren.

Nach dem Atomunglück in Fukushima, läutete Angela Merkel im Frühjahr letzten Jahres die Energiewende ein. Merkel sagte nein zu Atomkraftwerken und ja zu erneuerbaren Energien. Heute ein Jahr danach, ist nicht viel passiert. Die Energiewende existiert lediglich als Begriff, der in zahlreichen internationalen Medien kursiert. Was aber die Energiewende ist und vor allem, wie sie sozioökonomisch verträglich umzusetzen ist, weiß man derzeit nicht so genau. Weder die führenden Energieunternehmen, noch die Energie abhängige Industrie und schon gar nicht die Politik wissen, wohin die Reise gehen soll und ob die ambitionierten Ziele der Energiewende-Kanzlerin überhaupt durchsetzbar sind. Dabei haben seinerzeit viele Ökonomen davor gewarnt, ziellos die Energiewende anzugehen, da  der Schaden für den Wirtschaftsstandort Deutschland größer ausfallen könnte als sein Nutzen im Kampf um die Klimaerwärmung. Doch sie wurden nicht erhört. Bis jetzt.

Ende Juni feierte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. sein 5-jähriges Bestehen als energiepolitisches Forum. Unter dem Motto „Märkte von morgen – zwischen Wettbewerb und Regulierung“ diskutierten Vertreter aus der Wirtschaft und politische Entscheidungsträger unter anderem die Energiewende und die Frage, wie sie umzusetzen sei. Dabei fiel die Antwort mehr als eindeutig aus: Im Energiemix der Zukunft werden fossile Energieträger weiter dominieren, sagten die Minister Altmaier und Rösler. Am Wochenende ging Umweltminister Altmaier noch weiter und warnte vor einer Kostenexplosion im Energiesektor und räumte sogar Fehler bei der Umsetzung und Zielsetzung der Energiewende  ein. Im September will er mit den Sozialverbänden, Verbraucherschützern, Politikern und Kommunen darüber beraten, wie die steigenden Energiekosten gedämpft werden können. Die Energiewende  könnte zu einem sozialen Problem werden, so Altmaier. EU-Kommissar Günther Oettinger stimmte mit ein und warnte sogar vor einer De-Industrialisierung Europas aufgrund steigender Strompreise.

In den Ministerien wird derweil an einem Plan B gefeilt. Im nächsten Jahr will die Bundesregierung einen nationalen Energieplan vorlegen, in dem fossilen Energieträgern, insbesondere Kohle und Gas eine neue Bedeutung beigemessen wird.

Wer hat nun Schuld an der schlechten Umsetzung der Energiewende? Kann man überhaupt noch von der Energiewende sprechen, wenn die fossilen Energieträger weiterhin einen Großteil des Energiemixes ausmachen sollen? Vielleicht ist der Bundesumweltminister nicht richtig „verbreitet“ worden. Aber es entsteht der Eindruck, dass der Begriff „Wende“ zu viel ist. Ein wenig droht der Begriff „Energiewende“ in den gleichen eher negativen Sog zu geraten wie „Nachhaltigkeit“ oder „Bio“ – das wäre schade!

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