Dem Container ist es egal!

Foto (c) Dr. Justus Bobke
Foto (c) Dr. Justus Bobke

Fünf Tage auf Schiet. Das Ruder war ausgefallen. Seit vorgestern Nacht ist die CSLC Indian Ocean wieder flott und konnte per Schlepper in den Hamburger Hafen geschleppt werden. Das Malheur des rund 400 Meter großen Riesen macht anschaulich, dass etwas nicht in Ordnung ist mit unserer maritimen Infrastruktur. Denn das Thema Tiefseewasserhaven ist ein Kapitel für sich.

Zwei Parameter geben die Regeln für Häfen weltweit vor: Die Natur und der Schiffbau. Tatsache ist, dass fast alle Häfen an der Nordsee permanent versanden und die Häfen und die Schifffahrtswege für viel Geld ausgebaggert werden müssen. Tatsache ist, dass die Schiffe immer größer werden. Es gibt einen weltweiten Linienverkehr, an den Deutschland noch angebunden ist. Noch!

Die aktuelle Situation: Hamburg. Deutschlands Hafen Nummer eins, liegt gut 120 Kilometer im Binnenland. Bis dort langt zwar die Flutwelle an, doch muss viel Geld in die Hand genommen werden, um die Elbe schiffbar zu halten. Ohnehin kommen die großen Schiffe gar nicht mehr voll beladen die Elbe hinauf. Für eine Nation, die vom Import und Export vornehmlich über See lebt, ist es fatal, keinen funktionierenden Tiefseewasserhafen zu haben. Der Föderalismus – an sich gut und schön – ist immer wieder das Feigenblatt, hinter dem sich die norddeutschen Bundesländer verstecken. Schleswig-Holstein, in maritimer Selbstverklärung sich eine eigene Küstenwache leistend, verfolgt ebenso wie Bremen, Niedersachsen und Hamburg zuerst einmal eigene Interessen.

Das Ergebnis sind viele spezialisierte Häfen, doch kein großer, leistungsfähiger Tiefwasser-Port. Für den Bau eines Tiefseewasserhafens kommen ohnehin nur zwei Standorte in Frage: Wilhelmshaven oder Cuxhaven. In beiden Fällen sind die Bedingungen günstig. Für Cuxhaven gab es im Kaiserreich, als man noch schnell und effektiv baute, sogar Pläne für einen Tiefseehafen mit Eisenbahnanschluss, Flughafen und Zeppelinfeld. Immerhin entstand in den vergangenen Jahren unter großen Mühen in Wilhelmshaven Deutschlands erster Tiefseewasserhafen. Dumm nur, dass der Hafen kaum angelaufen wird. Noch dümmer: Die so genannte Hinterland-Anbindung ist höchst lückenhaft. Die Anbindung per Straße und vor allem per Bahn ist nicht leistungsfähig.

So haben wir die paradoxe Situation: Einerseits ist in Hamburg die Anbindung an das Hinterland exzellent, doch die Schiffe werden zu groß. Andererseits ist Wilhelmshafen für große Schiffe geeignet, doch die Anbindung ist miserabel. Es ist nicht zu erkennen, dass sich daran etwas ändern wird. So ist es also durchaus denkbar, dass wir in Deutschland uns selbst abhängen vom großen internationalen Schiffsverkehr. Dann werden die Ladungen eben in Rotterdam, Antwerpen, Marseille, Genua oder Triest gelöscht und vielleicht sogar dort weiter verarbeitet. Für die Arbeitsplätze in Deutschland ist das nicht egal. Dem Container aber schon!

Dr. Justus Bobke ist freier Berater mit den Schwerpunkten
Markenentwicklung für Städte und Unternehmen sowie
Medientrainings für Führungskräfte. Er besitzt Kompetenz in den Bereichen Journalismus, Public Relations und Markenmanagement und arbeitet im Expertennetzwerk AlleFürEinen. Seit Mai 2016 ist er auch Vorsitzender des Verbandes 3DDruck in Berlin.
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