Das Hohe Haus – 2013

Foto US - Buchcover S. Fischer Verlag
Foto US – Buchcover S. Fischer Verlag

Das Hohe Haus von Roger Willemsen. Ein Jahr lang und zwar im Wahljahr 2013 saß der Vorzeige-Intellektuelle Roger Willemsen auf der Tribüne des Deutschen Bundestages und hat beobachtet, was im Hohen Haus so alles passiert. Er hat die Redner/innen studiert, die Hinterbankgespräche aus der Ferne beobachtet und fleißig Protokolle der Reden ausgewertet – lt. Verlag an die 50.000 Seiten (!). Ist sein Buch eine Hilfe, wenn man den deutschen Parlamentarismus verstehen möchte?

Der Grimme-Preisträger Willemsen besitzt ohne Zweifel eine scharfe Beobachtungsgabe. Was er zu Papier bringt ist aber kein Protokoll oder Bericht, sondern etwas Schriftstellerisches. Er schildert seine Eindrücke auf die ihm eigene immer ein wenig ironisch hinterfragende Art. Zwischen den Zeilen liest man leicht heraus, dass er sich nach Schlagabtausch, rhetorischen Balanceakten und vor allem Schlagfertigkeit in den oft zu vorhersehbaren und langweiligen Reden der Abgeordneten sehnt.

Wie Parlamentarismus anno 2013 im Deutschen Bundestag funktioniert, erfährt der Leser nicht wirklich, weil Willemsen – das mag aber durchaus seine Absicht gewesen sein – es bei Oberflächlichkeiten seiner Beobachtungen belässt. Da zieht sich die Bundeskanzlerin mal mit „ihrem“ Fraktionsvorsitzenden Kauder theatralisch auf die Hinterbänke zurück um vermeintlich Wichtiges unter Vier Augen – alle sehen es – zu besprechen. Da sieht der Leser das Lachen in Willemsens Gesicht, wenn der Bundestagspräsident auf seine ebenso ironische Art wieder eine seiner gedrechselten, witzreichen Bonmots zum besten gibt und die Kollegen auffordert, im Urlaub nicht zu weit rauszuschwimmen, es könnte ja Wichtiges im Hohen Haus passieren und dann müssen alle schnell wieder im Reichstag sitzen.

Vielleicht wäre es hilfreicher gewesen, Willemsen hätte – auch die nicht-öffentlichen – Gremiensitzungen der Fraktionen, der Arbeitsgruppen, Arbeitskreise, Untersuchungsausschüsse und Landesgruppensitzungen besuchen dürfen und sich darauf einen Reim gemacht. So aber bleibt ein ratsuchender Leser zurück: Das hätte ich ja so auch auf PHOENIX oder im Live-Stream des Bundestages selbst verfolgen können. Die Verheißung des Titels, etwas zur Enträtselung der „Black Box“ Bundestag für interessierte Laien beizutragen, bleibt weitgehend unerfüllt. Gerne hätte Willemsen den Staffelstab an jemanden weiter gegeben für dieses „spannende Projekt“. Sollte es dazu kommen, bleibt zu hoffen, dass dieser jemand etwas mehr Fleisch an den Knochen Parlament zu bringen vermag.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.