Das Berliner (Energie-Plus-)Schloss

Vor zwei Wochen zog ich für ein Praktikum bei elfnullelf nach Berlin, pflichtbewusst habe ich gleich am ersten Wochenende alle nennenswerten Sehenswürdigkeiten der Stadt begutachtet. Dabei ist mir natürlich die gigantische Humboldtbox aufgefallen, dass Informationscenter zum Bau des neuen Berliner Schlosses. Sicherlich wusste ich von der Planung eines neuen Wahrzeichens für die Hauptstadt, allerdings wurde die scheinbar recht lebhafte Diskussion um dessen Ausgestaltung außerhalb von Berlin meiner Einschätzung nach wenig wahrgenommen. Im Internet sind aber lange Listen von  Pro- und Contra-Argumenten über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, sowie zahlreiche Beweggründe für die geplante architektonische Ausführung nachzulesen. Alles schön und gut und irgendwie auch nachvollziehbar. Aber: Ist nicht Architektur auch ein Spiegel ihrer Zeit? Was genau soll dann ein Schloss, das im Stil von vor 300 Jahren nachgebildet werden soll, widerspiegeln? Früher war alles besser und schöner? Lasst und alles, was zwischen damals und heute liegt, vergessen? Einerseits ein schöner Gedanke: Weg mit der schwierigen Vergangenheit und der komplizierten Gegenwart. Andererseits ist das doch eine recht trübe und entmutigende Einstellung. Haben wir denn gar nichts in unserer Zeit, was zukünftige Touristen bestaunen könnten? Wofür steht denn das Berlin nach 775 Jahre Bestehen, wofür steht Deutschland im neuen Jahrtausend? Wofür steht unsere Generation der Mut- und Wutbürger? Das wären meiner Meinung nach die vorherrschenden Fragen in der Diskussion darum, ob und wie das Berliner Schloss gebaut werden soll.

Einen Vorschlag hätte ich schon: Wie wäre es denn mit einem Energie-Plus-Schloss! Ich sehe glitzernde Solarmodule, geothermisch betriebene Fußbodenheizungen – natürlich nicht aus asiatischer Produktion. Ich sehe Architekten, Ingenieure und Handwerker aus Griechenland und Spanien; Urban Gardening auf dem Dach und eine gratis Kita im Keller; natürlich beste Radweganbindung und 50% der leitenden Angestellten sind Frauen – und davon sind mindestens ein Drittel perfekt integrierte Professorinnen türkischer Herkunft.

Unsere Zeit könnte so schön sein!

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