CDU: Erfolg hat nur eine Mutter

Gestern hat der Stern/RTL-Wahltrend einen neuen Bestwert für die Union aufgezeigt – seit Dezember 2013. Auch die Kanzlerin ist unangefochtener denn je: Im direkten Vergleich Angela Merkel | Sigmar Gabriel steht es 62 % zu 11 %, wenn der Regierungschef direkt gewählt werden könnte.

Wahltrend
Das Erstaunliche ist, dass der Koalitionspartner offenbar weniger Punkten kann im „Schatten“ der Kanzlerin. Obwohl die bisherigen großen Themen (Mindestlohn, Bafög-Reform, Rente mit 63) klassische SPD-Themen sind.
Merkel ist ausgesprochen unprätentiös und hat keinerlei Profilneurosen. Sie ist ganz sich selbst und das überzeugt offenbar viele Wähler – parteiunabhängig.

Auf den ersten Blick wirkt die vermeintliche Ein-Säulen-Strategie der Union gefährlich. Weder führende CDU-Leute noch Merkel selbst würden natürlich zugeben, dass die Kanzlerin die Partei ist. Die CDU war und ist eine „Kanzler-Partei“. Böse Zungen haben in der Vergangenheit oft von „Kanzlerwahlverein“ gesprochen. Aber es ist was dran: Adenauer der Initiator, Kohl der Terminator, Merkel die Moderatorin; Brandt, Schmidt und Schröder hingegen haderten oft mit ihrer Partei und nicht zuletzt mit der Fraktion. Die Frage, wer oder gar was nach Angela Merkel in der Partei kommt, dürfte gar nicht so drängend sein, wie sie sich stellen mag. So lange eine SPD eher „ideologisch“ bleibt und die Union auf die innovativen – und nicht etatistischen – Kräfte in Wirtschaft und Gesellschaft setzt, wird sich am relativen Erfolg der Partei nicht viel ändern. Hinzu kommt die Strategie der Kanzlerin überall Themen zu „klauen“. Aber was ist schlimm daran, über seinen Schatten zu springen und das vermeintlich Unausweichliche (Atomausstieg, Ende der Wehrpflicht, Mindestlohn – um nur wenige Beispiele zu nennen) für die eigene Politik nutzbar zu machen? Prinzipienreiterei helfen in einer Kompromisse erfordernden Gesellschaft nicht weiter. „Wer nichts macht, macht auch nichts falsch“ wird oft im Zusammenhang mit der Kanzlerin gesagt. Das Erfolgsrezept allerdings ist zuhören, abwägen, wo Mehrheiten sind und dann entscheiden. So schlicht funktioniert Demokratie.

Der Vorwurf an Generalsekretär Peter Tauber, er laufe „Nischen-Minderheiten“ in den Städten nach, und vernachlässige die genuinen Mehrheiten der CDU verfängt nicht – im Gegenteil. Sicherlich sind für die Union die 65 % der auf dem Land lebenden Bevölkerung eminent wichtig. Die potenziellen Wählerschichten in den Städten aber außer Acht zu lassen, die über die „politischen Produktionsmittel“ der Zukunft verfügen, wäre schlicht fahrlässig.

Auch wenn in dieser Zeit fast schon wild diskutiert wird (s. Sommerinterview im ZDF am Tag vor dem Weltmeisterschaftsfinale in Brasilien), wann die Kanzlerin denn ihren Platz räume, passt es eher zu ihr, so lange weiterzumachen, wie es gesundheitlich geht und wie sich zwanglos politische Mehrheiten organisieren lassen. Ein weiterer, wichtiger Faktor kommt bei Angela Merkel hinzu: Sie ist ein starkes Bindeglied zwischen Ost und West im 25. Jahr nach dem Fall der Mauer.

Erfolg hat normalerweise viele Väter. Misserfolg hingegen ist maximal etwas für die Stiefeltern. Das Phänomen in der CDU ist schlicht, dass der Erfolg eine einzige Mutter hat…

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Von August 2013 bis April 2018 habe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter geführt. Seit Mai 2018 ist Fabian Haun gleichberechtigter Partner.