Carsharing – Zukunft der Automobilität?

autos-214033_1280Mit der Diesel-Affäre wurde wieder einmal die Debatte um die Zukunft der Automobilität entfacht. Brauchen wir Fahrverbote in den Innenstädten wegen der Luftqualität? Bis wann sollen Verbrennungsmotoren, wie zum Beispiel bei unseren österreichischen Nachbarn, ganz verboten werden? Wie bekommen wir den vollständigen Umstieg zur Elektromobilität hin? Und zwar so, dass unsere Automobilindustrie nicht darunter leidet? All das wird nun vor der Bundestagswahl hitzig diskutiert.

Die Frage, die niemand stellt

Eine Frage, die dabei nicht gestellt wird, lautet: Muss und will in Zukunft wirklich jeder ein eigenes Auto besitzen, um mobil zu sein?

Schaut man genau hin, stehen schon heute die meisten Autos fast den ganzen Tag nur irgendwo rum. Entweder am Arbeitsplatz oder dort, wo man wohnt. Die Folgen sind akuter Parkplatzmangel, Verkehrsbehinderungen und Unfälle durch falsch geparkte Fahrzeuge sowie Staus und Luftverschmutzung.

Carsharing hat in den größten deutschen Städten bereits bewiesen, dass es das „Besitz-Auto“ ablösen kann. Immer mehr wissen es zu schätzen, ein Auto nur dann zu nutzen, wenn man es braucht und sich ansonsten um nichts kümmern zu müssen. Dadurch haben sich in den letzten paar Jahren die verschiedensten Carsharing-Modelle entwickelt: Von stationsbasiert, mit oder ohne vorherige Buchung via App bis hin zu Fahrzeugen, die man überall im Geschäftsgebiet spontan nutzen und wieder abstellen kann. Ein Trend der weiter anhält und viele der genannten Probleme lösen wird.

Carsharing und Elektromobilität gehen Hand in Hand

Auch die Infrastruktur für Elektroautos wächst mit dem Carsharing. Die Anbieter sind bereits dabei, Ladestationen überall dort zu installieren, wo ihre Fahrzeuge statistisch am häufigsten geparkt werden. Jede Straßenlaterne kann dafür nachgerüstet werden. Das gilt im Übrigen nicht nur für Städte. Auch in ländlichen Regionen zeigen viele Beispiele, dass Carsharing angenommen wird und rentabel sein kann. (Bsp: Link/Titel SZ) Entscheidend sind hierbei das richtige Konzept, Preismodell und eine verbesserte Reichweite von Elektroautos.

Plattformen als Gewinner

Langfristig werden die Gewinner beim Carsharing große Plattformen sein, deren Fahrzeuge man überall nutzen kann. Vorgemacht haben das bereits Amazon, Facebook, Google und Co. Für Automobilhersteller ist das die Chance zum Plattformbetreiber zu werden und damit alles aus einer Hand anzubieten. Das Rennen wird am Ende derjenige machen, dem die größte Plattform gehört.

Fabian Haun war als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag über drei Jahre für ein breites Themenspektrum zuständig, das von der Innenpolitik, über digitale Agenda, Arbeitsmarkt, Energie, Verkehr und Infrastruktur bis hin zur Wirtschaftsförderung und Kommunalpolitik reichte. Während seines Studiums der Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft in Augsburg und Jena arbeitete er als Projektkoordinator und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit in verschiedenen Einrichtungen und Verbänden. Bei elfnullelf betreut er vor allem die Themenschwerpunkte Digitales, Planen/Bauen, Mobilität und Konsumgüter.