Brexit ist das Ende – von Großbritannien

Bild: (C) Dr. Justus Bobke
Bild: (C) Dr. Justus Bobke

Während Europa in einer tiefen Krise steckt, erhandelt sich David Cameron – wie weiland die Eiserne Maggie – Sonderkonditionen für das Vereinigte Königreich. Bis an den Rand der Erpressung gehen, um am 23. Juni die Briten über den Verbleib in der EU abstimmen zu lassen. Das ist überhaupt nicht die feine englische Art, doch kann dieser Schuss auch mächtig nach hinten los gehen.

Eigentlich bin ich sehr pro britisch. Mir gefallen die schrägen Klamotten und die Art, engagiert und erfolglos Fußball zu spielen. Englischer Pragmatismus ist ein Segen und mit steifer Oberlippe für das eigene Land einzustehen – eine gute und gesunde Tugend. Doch bei aller Sympathie ist es gut, den Blick auf das Wesentliche derzeit zu richten. Inselbewohnern sagt man ohnehin eine gewisse Eigenart nach. In Großbritannien wurde die Eigenart der besonderen Güte jahrzehntelang ähnlich liebevoll gepflegt wie die Gärten und Parks. Eigentlich – so das Selbstverständnis – sei man die geradezu natürliche Brücke zwischen Nordamerika und Europa. Letztlich so ein Zwitterwesen zwischen den beiden Kraftzentren – und eigentlich auch selbst noch ein Kraftzentrum. Doch das Empire ist futsch und die Welt dreht sich hin zu den asiatischen Märkten. Das Freihandelsabkommen TPP, die Trans-Pacific Partnership, steht vor der Ratifizierung und wird ein weiterer Impuls weg von Europa sein.

An sich ist das Verhältnis von Großbritannien zu Europa seit Jahren nicht fair geregelt. Es ist nicht in Ordnung, von den Vorteilen Europas zu profitieren und die Lasten und Bürden nicht tragen zu wollen. Einerseits: Man verdient üppig in London, dort den europäischen Finanzplatz Nummer eins zu markieren und ebendort Millionen von Menschen über den Atlantik nach Europa zu holen. Auch war Großbritannien für viele Jahre für die Staaten wir Dänemark und Schweden ein Vorbild getreu dem Motto „Europa ja, doch bitte nicht zu viel davon.“ Andererseits: Seit Jahren kommt aus Großbritannien immer wieder Störfeuer gegen Europa, eine gemeinsame Politik. Und – das nervt auf Dauer schon – immer wieder der Anspruch auf Sonderregelungen und Sonderwege. Vor allem wenn es um das Geld geht.

Wenn es also tatsächlich zum Brexit – zum Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union – kommt, dann wird es Europa treffen. Keine Frage. Das wäre der Verlust einer Nettozahler-Nation. Doch viel mehr wird es Großbritannien selbst treffen: Die Börsen in Paris und Frankfurt werden profitieren und Anleger aus London anziehen. Unternehmen, die am europäischen Markt interessiert sind, werden ihren Sitz verlagern und das Pfund wird an Wert verlieren. Vor allem aber wird es auf Dauer schwer werden, Produkte aus Großbritannien in Europa zu vermarkten. Denn die vielen Verträge und wirtschaftlichen Selbstverständlichkeiten des gemeinsamen Binnenmarktes werden für Großbritannien entfallen. Die Schweiz weiß von solchen Entwicklungen ein Lied zu singen. Doch eine naheliegende Gefahr haben die Brexit-Befürworter offenbar gar nicht auf dem Zettel. Die Debatte im Unterhaus zeigte es gleich am 22. Februar. Die ölreichen Schotten nämlich haben nicht vor, in einem isolierten Vereinigten Königreich zu leben. So wird es nach einem Brexit ein zweites Referendum der Schotten geben und dieses wird erfolgreich sein. Großbritannien wird zerbrechen. Erst Brexit, dann Scotix. Großbritannien ex! Cheers, England!

Dr. Justus Bobke ist freier Berater mit den Schwerpunkten Markenentwicklung für Städte und Unternehmen sowie Medientrainings für Führungskräfte. Er besitzt Kompetenz in den Bereichen Journalismus, Public Relations und Markenmanagement und arbeitet im Expertennetzwerk AlleFürEinen. Seit Mai 2016 ist er auch Vorsitzender des Verbandes 3DDruck in Berlin. Kontakt: +49 173 61 16 294 | jb@bobke-marke.de | mehr: www.bobke-marke.de | www.allefuereinen.net | www.verband3ddruck.berlin