Breaking News, Faking News: bloß keine Panik

Jon S | Lizenz: CC BY 2.0
Jon S | Lizenz: CC BY 2.0

In der Wahrnehmung vieler Menschen wird das Jahr 2016 politisch betrachtet nicht unbedingt als Highlight in die Geschichte eingehen, zumindest nicht als positives. Immerhin hat es uns eine Reihe spannender neuer Wortschöpfungen gebracht, die uns auch in Anbetracht der kommenden Bundestagswahlen noch verfolgen dürften.

Darunter fällt das sogenannte postfaktische Zeitalter, in dem zumeist politisch eher extreme Positionen fernab jeglicher Wahrheit und Belege einfach so oft wiederholt werden, bis sie quasi ohne großes Hinterfragen in der öffentlichen Wahrnehmung landen, ist im vergangenen Jahr endgültig eingeläutet worden. Aber auch der Begriff „Fake News“ hat es in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft.

„Pizzagate“, der Fall Lisa, der das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland mächtig abkühlt, große Teile der Trump-Kampagne –  die Liste der Nachrichten, die frei erfunden war, aber für großen Aufruhr samt politischer Konsequenzen sorgte, ist lang. Und nun droht auch noch Russland sich in internationale Wahlkämpfe einzumischen – wo soll das noch hinführen und wie soll man überhaupt noch den Überblick bewahren darüber, welchen Nachrichtenquellen man eher Glauben schenken kann und welchen nicht? Schließlich kann heutzutage jeder publizieren, gleichzeitig scheinen auch die klassischen Medien immer wieder Falschmeldungen hereinzufallen.

Das Problem der Fake News ist kein gänzlich neues Phänomen, reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als beispielsweise „The New York Sun“ im Jahr 1835 mit seinem Great Moon Hoax die Leser glauben machte, Bilder vom Mond veröffentlicht zu haben, der von Einhörnern und Fledermausmenschen bewohnt wird. Durch Blogs und soziale Medien wie Twitter ist es jedoch quasi rund um die Uhr möglich, seine Stimme, aber eben auch ziemlich viel Müll in der Welt zu verbreiten, der je nach Thema und Reichweite schnell viral werden kann – oft ist auch nicht auf den ersten Blick erkennbar, ob es sich bei einem Nachrichtenportal um einen tatsächlichen News-Anbieter oder um ein reines, politisch motiviertes Meinungsmedium handelt.

Wie Medienmacher als auch Konsumenten dem entgegensteuern können? Mehr als jeder Zeitungsleser vor unserer Generation ist der heutige Konsument gefordert, sich abzusichern und zu überprüfen, ob sich ein Zitat zurückverfolgen lässt oder ob/wieviel zu einem Ereignis dazu gedichtet worden ist. Zu häufig bekommt man mitunter den Eindruck, dass dies heutzutage nicht mehr hinreichend getan wird und selbst etablierte Medien immer öfter vor den absichtlich verbreitenden Content-Produzenten vor die Knie gehen.

Ebenso wäre es gelegentlich hilfreich, nicht jedes Pfeifen im Wind zur „Breaking News“ zu deklarieren, sondern erst einmal abzuwarten, ob ein Ereignis wirklich die Relevanz entwickeln könnte, die sie auf den ersten, aber wirklich nur auf den ersten Blick zu versprechen scheint.

Derweil werden aus der Politik die ersten Stimmen laut, die ein Fake News-Verbot fordern, welches eine gezielte Verbreitung von Informationen zur Destablisierung eines Staates unter Strafe stellen soll. Ein Blick nach Österreich zeigt: good luck with that. Der dort seit 1975 bestehende Paragraph zur Unterbindung von gezielten Falschmeldungen wurde Ende 2015 wieder abgeschafft, da er „in der Praxis keinen Anwendungsbereich“ fand.

Sicherlich lassen sich gewisse Gesellschaftsgruppen auch durch besser recherchierte Hintergründe nicht überzeugen, aber man dürfte immerhin der „breiten Masse“ wieder etwas mehr Vertrauen und Orientierung geben können im Dickicht der Informationen. Also bloß keine Panik.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen? Folgen Sie ihm auf Twitter oder vernetzen Sie sich mit ihm auf LinkedIn.