„Besser so als anders“ – Standort einer Sexismusdebatte

Wenn die aktuelle Debatte um das zwischenmenschliche Miteinander von einem Marketing- oder PR-Strategen des Verlagshauses losgetreten wurde, dann Hut ab. Nötig hätte es das Heft allemal, das nicht mehr so wie früher am Firmament strahlt und trotzdem schon allein vom Namen her in anderen Sphären zu schweben scheint. Herr Horn wähnt es sogar bereits im Sinkflug – ja mei! Erstaunlich nur, welch Blüten diese sich immer wieder selbst bestäubende Medienöffentlichkeit treibt, nachdem der zunächst laue und dann aufbrausende Wind eines Beitrages einsetzte. Da steht zunächst ein Politiker im Rampenlicht, der sich freuen könnte, wenn es nach dem Motto ginge any PR is good PR. Aber selbst einer hartgesottenen Rampensau dürften die Anwürfe nicht ganz kalt lassen, die hier zur Sprache kommen. Eine große überregionale Sonntagszeitung recherchiert eine Art politische Homestory auf einem schleswig-holsteinischen Bauernhof und beschäftigt sich in mehreren Rubriken mit einem Thema, das wie ein Tsunami über die Talkshow-Nation kurz nach den Dschungel-Campern hereinbricht. Ist die aufgeregte Debatte etwa der Ersatz für die Ekel-Tiere essenden C-Promis? Hmm, der Betrachter staunt. Es geht nämlich noch weiter: Twitter, der mittlerweile angeblich 9 Mrd. Dollar schwere Kurznachrichtendienst wird in der weiterverbreitenden Medienwelt so oft zitiert wie sonst nicht einmal die Tagesschau. Twitter ist ohnehin zu so etwas wie die Benchmark der subjektiv wahrgenommenen Aufgeregtheit im Volk geworden. Nicht zuletzt leben diverse Talkshow- und Radiosendungen von dem Stoff, aus dem mediale Träume sind: Sex sells.

Was ist denn überhaupt passiert? Diese Frage mag sich der arme Thailandurlauber fragen, der von zwei Wochen Phuket pauschal zurückkehrt und vor Ort nicht einmal die mittlerweile international erhältliche Boulevard-Zeitung aus dem ebenfalls am Markt teilnehmenden Verlagshaus gelesen hat. Die daheim Gebliebenen klären auf: Eine junge, ehrgeizige Journalistin lauert einem älteren Herrn, der das Politikgeschäft betreibt, an einer Hotelbar auf, um ihn mit einer Frage zu behelligen, die im Grunde in der beschriebenen Situation nur eine kontext-normale Antwort zulässt. Darüber echauffiert sich die junge Dame nun. Hmm, der Betrachter staunt erneut. Interessant, wie hier die Machtfrage ausgelegt wird. An dieser Stelle muss FAS-Feuilleton-Chef Claudius Seidl Recht gegeben werden: Sexismus ist eine Frage der Macht. Oh, Vorsicht nicht etwa die vermeintliche Macht des Politikers über die wehrlose, naive junge Dame. Nein, dieses Mal die Macht in umgekehrter Richtung. Wir bewegen uns nämlich nicht mehr im Naturrecht, sondern in aufgeklärten Gesellschaftsstrukturen, wo auch Worte und Intentionen Macht ausüben können.

Das Frappierende an der ganzen (künstlichen) Aufgeregtheit ist doch die verlorene Bodenhaftung. Ohne Frage gehört zu einem Fehlverhalten eine Entschuldigung. Wohin die Emanzipation aber teilweise ausgreift beweisen Situationen, in denen eine Dame einem Herrn die aufgehaltene Tür nicht dankt, darüber wäre noch hinwegzusehen. Nein, die Dame von Welt beschwert sich mit den Worten „ich kann die Tür auch selbst öffnen“. Bitteschön, nur zu. Umgangsformen haben in erster Linie etwas mit Respekt zu tun – das gilt für alle Beziehungsverhältnisse: Frau und Mann, jung und alt, arm und reich, schwul und hetero etc. etc. Solide sozialisierte Menschen – und das ist Gott sei Dank die Mehrheit unter uns – belächeln diese Kunst-Debatte. Die Betriebsleitergattin des bereits erwähnten Hofinhabers aus Schleswig-Holstein steht dafür: Sie liest die Anwürfe gegen den Politiker. Dieser habe an einer Hotelbar zu tief (war das möglich?!) in ein Dekolleteé geschaut. Das Erblickte hat der Politiker dann im Jambus des gepflegten Herrenwitzes verpackt und offenbar auf seine Art gelobt. Der Bauersfrau entfährt es dazu spontan: „Ist doch nett. Besser so als anders.“

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.