Berlin, Deine Flughäfen – Ein Kurzbericht aus der Weltprovinzhauptstadt

TempelhofNein, es ist ausnahmsweise einmal nicht vom BER die Rede. Da ist dieser Tage tatsächlich weniger zu hören… Es geht vielmehr um einen Berliner Flughafen, der eigentlich schon seit fünf Jahren gar keiner mehr ist: Tempelhof. Bisher ist er auch der einzige Flughafen, der zwei Bürger-/Volksbegehren bzw. Volksentscheide auf dem Buckel hat – haben wird. Im August 2008 ging es um die Offenhaltung des Flughafens. Ein Kandidat für das Regieren machte fatalerweise daran sein politisches Überleben fest. Das Ergebnis ist bekannt. Dieses Mal haben lt. Angaben der Initiative „100% Tempelhofer Feld“ 185.328 Unterschriften gereicht, um die sogenannte Randbebauung im ersten Schritt („Volksbegehren“) zu verhindern. Geplant sind seitens des Senats ca. 5.000 Wohnungen an mehreren Rändern des riesigen Areals entstehen zu lassen – bis 2030. Sicherlich auch als Antwort auf das knapper werdende Wohnungsangebot in Berlin. Aber nicht nur das: Auch der Neubau der Berliner Landesbibliothek, die derzeit in der Breiten Straße und am Halleschen Tor vor sich hinmodert, soll beispielsweise am südlichen Rand des Tempelhofer Feldes, eine neue Heimstadt finden.Es ist manchmal etwas sonderbar in Berlin. Hauptsache dagegen, das scheint das Motto vieler zu sein. Anstatt so eine Brache, die größer ist als das Fürstentum Monaco, mitten in Berlin wenigstens teilweise sinnvoll zu nutzen und die Stadt sinnhaftig zu verdichten, läuft es wohl darauf hinaus, dass Berlin Richtung KWH oder Falkensee mehr und mehr ausfranst und die lieblichen menschlichen Hundehütten immer weiter das Land versiegeln. Natürlich sind die Tempelhofer-Feld-Bebauungs-Gegner nicht gegen Bildung – Gott bewahre! Einen alternativen Standort der bröselnden Landesbibliothek, der Kosten und Ansprüchen genügt, hat aber auch noch keiner genannt. Käme die Bebauung des Feldes, wären immer noch 230 Hektar Fläche (größer als der Berliner Tiergarten!) frei für alle die trollen und tollen möchten.

Neben den technischen Betrachtungen wäre Berlin nicht Berlin, wenn die politische Note bei der Frage Tempelhof ja oder nein nicht auch noch hinzu käme. Wie schon im vergangenen Herbst, als die Berliner parallel zur Bundestagswahl über Stromnetz und Stadtwerk abstimmen wollten, gab es „Terminkollisionen“. Der Termin wurde entzerrt. Dieses Mal frohlocken die beruflichen Tempelhofer-Feld-Beschützer bereits, dass der Bürgerentscheid auf den 25. Mai falle. Richtig, der Tag, an dem in Deutschland auch über das Europaparlament abgestimmt wird. Was die einen als Chance sehen, weil es viele an die Urnen treibt, sehen die anderen als Risiko, weil Tempelhof negativ auf Europa ausstrahlen könnte. Nun denn, vielleicht lassen sich am Ende ja Bauen und Demokratie sogar miteinander versöhnen: Volksentscheid findet parallel mit der Europawahl statt und auf ca. 100 Hektar darf Berlin verdichtet werden.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.