BER-Happen 5: In der Einflugschneise

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Hallo Justus,

dieser BER-Happen (Berappen!!) hat jetzt wirklich auch den neuen Großflughafen BER zum Thema. Ich kann zwar, weil ich die Pleiten, Pech und Pannen der letzten Jahre nicht hautnah erlebt habe wie alle anderen Berliner, Brandenburger und der Rest der Republik nicht so leidenschaftlich über ihn fluchen, aber mit der Verlegung des Flugbetriebs auf die südliche Landebahn bin ich hautnah dabei. Wenn sich Flug DE 3784 morgens um 5.15 Uhr von Schönefeld in Richtung Antalya aufmacht, bin ich dabei. Und wenn ich mal um 10 Uhr mit meinen Hunden die Runde durchs Naturschutzgebiet drehe, kommen die Flieger aus Athen, Barcelona und Manchester im Minutentakt rein. Wenn in zwei Jahren Tegel tatsächlich den Flugbetrieb einstellt und – wie berechnet – rund 300.000 Flugbewegungen jährlich über meinem Kopf via BER abgewickelt werden, dann sollte ich wohl besser auf Tauchstation gehen. Schon gehen die Mieten und Immobilienpreise in Tegel nach oben, während Schönefeld und die umliegenden brandenburgischen Landkreise den Gegentrend melden. Die Plakate für Schallschutz sind allgegenwärtig, Postwurfsendungen versprechen das „Ende der Lärm-Misere“. Schon sehe ich Nachbarn, die ihre Häuser für den Verkauf vorbereiten. Einen rüstigen Rentner, der früher zur See fuhr, dann aber im Katastrophenschutz arbeitete, hat es besonders hart getroffen. Nachdem seine Frau nach einem Herzinfarkt schwer angeschlagen ist, hat der Hautarzt ihn vor ein Ultimatum gestellt: „Wenn Sie das Leben Ihrer Frau nicht auf dem Gewissen haben wollen, dann müssen Sie hier wegziehen.“

Trotzdem sehe ich natürlich, dass die Ostdeutschen im Jahr 25 der Wiedervereinigung noch mehr angekommen sind als im Jahr 2006, als ich nach Südostasien ausreiste. Auch wenn ihr Anteil an Vorständen von DAX-Unternehmen, wie ich gerade lese, noch immer vergleichsweise gering ist, ist Wohlstand im Grün der Kiefer umstandenen DDR-Siedlungen die Regel. Vor den schmucken, frisch gebauten oder renovierten Häusern an der Trotzkistraße, der Bebel-Allee und der Rosa-Luxemburg-Chaussee, an denen ich täglich im Berliner Speckgürtel vorbeigehe, stehen die neuesten BMW-Cabrios, Mercedes-Lieferwagen und Renault-SUVs. Ein Journalist, den ich vom Studium kenne, Markus Decker, hat im letzten Jahr „Zweite Heimat“, ein Porträt über Westdeutsche in Ostdeutschland, geschrieben. Für mich als Wessi ein echter Realitäts-Check: Nach dem Studium wäre es mir nicht im Traum eingefallen, in den neuen, wilden Osten Deutschlands zu ziehen.

Wie war das bei Dir, Justus? Ich bin gespannt.

Herzliche Grüße

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