BER-Happen 4: Armes, reiches Deutschland

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© Britta Weck

Hallo Justus,

einige Dinge hier in Deutschland sind für uns Heimkehrer aber auch einfach unbequem. Es gibt zum Beispiel keine Haushaltshilfen, die im Haus und Garten unterstützen. Wir müssen wieder selber putzen, bügeln und Rasen mähen! Und wir müssen auch beide wieder dauerhaft arbeiten. Seit Tag 3 des Landens in Deutschland arbeite ich als freie Beraterin in Kommunikationsagenturen in Berlin und Hamburg. Ich mag die Energie, die internationale Kampagnen, die Arbeit mit dreißigjährigen Teamleitern und bin gespannt, was die Zukunft in Sachen „Akquise“ für mich bringt.

Aber natürlich schaue ich auf die Freunde aus Schule und Studium, die Kollegen, mit denen ich mein Agenturleben begonnen habe. Wo stehen sie heute? Die meisten sind gut situiert, angekommen, haben Agenturen und Firmen gegründet und genießen mit Häusern, Reisen und ihrem sonstigen Lebensstil ihren Wohlstand. 5-Sterne Buchinger-Fasten auf Korsika (WER fastet auf Korsika???), esoterische Bücher im Zweithaus in der Bretagne schreiben, die Teenie-Kinder zum Schulaustausch nach Philadelphia schicken, das sind Themen, wenn wir miteinander sprechen. Einige sind auch einfach nur Erben, die mit ihren Geschwistern Immobilien und Wäldern verwalten und ansonsten ein Leben zwischen Jet-Ski und Après-Ski führen.

Eure Sorgen möchte ich mal haben, denke ich dann manchmal, wenn die nette platinblonde Postbotin mit den perfekt modellierten Fingernägeln im rot-grünen Wellendesign mir mal wieder einen Stapel Rechnungen bringt. Aber es gibt auch die Anderen, die chronisch krank sind, nicht einmal 50 Jahre alt vor der Frühpensionierung stehen oder nach Auslandsaufenthalten zur Chemo in die Charité müssen und nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Realität in Deutschland 2015, genauso wie der vernarbte Bettler vorm C&A am Kudamm, die türkischen Wachmänner in Aldi-Filialen im Wedding, Pegida-Demos und brennende Flüchtlingsheime. Auch die Roma-Betteltrupps mit Kleinkindern, die sich an U-Bahn-Schächten und Supermärkten strategisch aufstellen, die vielen Alten, die schwarze Müllsäcke mit Leergut scheppernd hinter sich herziehen, fallen mir auf.

Lieber Justus, beobachtest Du auch das immer stärkere Auseinander-Driften von Arm und Reich in Deutschland?

Herzliche Grüße

Britta

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.