BER-Happen 3: Bürokraten und andere Menschen

150630 Boilerplate Logo großHallo Justus,

neulich hat mich die Freundlichkeit der netten Dame vom Bürgeramt Neukölln sprachlos gemacht, als ich unseren Übergangswohnsitz in der Nähe vom immer noch ziemlich heftigen Multikulti-Brennpunkt Herrmannplatz anmelden musste und ich mich schon am Telefon prophylaktisch auf die üblichen Nackenschläge vorbereitete. Da kam aber kein Blaffen, sondern die – wie ich fand – ehrliche Frage, ob sie mir noch weiter helfen könne. Zumindest an dieser Stelle scheint der Kontaktpunkt Behörde-Bürger es offenbar aus der K.O.-Zone in die O.K.-Zone geschafft zu haben. Auch, dass ich Beratungs-Termine online bei Bürgerämtern bekommen kann, die nicht in meinem Bezirk sind, mir aber schneller helfen können als meine lokale Anlaufstelle, das ist eine echte Hilfe, wenn die Zeit bei Schuleinschreibungen, Kindergeldbeantragungen und Gewerbeanmeldungen davonrennt.

(c) Britta Weck
(c) Britta Weck

Einige Dinge aber sind schlicht „gaga“ und zeigen, dass acht Jahre, die man nicht in Sindelfingen, München oder Schwerin gelebt hat, einen doch sehr weit von der bundesrepublikanischen Wirklichkeit entfernt haben. Wenn der türkische Schneider, der in seinem kleinen Hinterhofladen in Neukölln mir empört er-klärt, dass er jetzt in Charlottenburg wohne, weil man „wegen die Leute von Balkan“ nicht mehr sicher auf dem Kiez sei, dann weiß man: Deutschland, Berlin speziell, hat sich verändert. Wenn in einem Marketing-Meeting in Hamburg einer der Teilnehmer mit Ost-Pedigree mich auflaufen lässt, als ich ihm stolz erkläre, dass ich jetzt in Brandenburg wohne, dann ist das „gaga“. Breit grinsend, holt er sein I-pad und zeigt mir auf YouTube Rainald Grebe‘s „Brandenburg“: „Ich fühl‘ mich heut` so leer. Ich fühl‘ mich Brandenburg.“

Ich wette, Justus, da fällt Dir bestimmt auch die eine oder andere Geschichte dazu ein, oder?

Viele Grüße
Britta

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