BER-Happen 2: Städte im Wettkampf

150630 Boilerplate Logo großLiebe Britta,
wieder schön, wieder von Dir zu lesen.

Berlin ist ziemlich untypisch für Deutschland. Wenn es nicht so abgedroschen wäre, dann wäre ein „Das ist auch gut so“ fällig. Nach den kuscheligen (?) Jahren der Bonner Republik, findet jetzt Politik im Maßstab 1:1 statt. Ob wir Deutschen wollen oder nicht. Vormals konnte man sich in Bonn so schön klein machen. Es gab zwar tatsächlich in Deutschland selten so eine Konzentration aus Bevölkerung, Wirtschaftskraft, Finanzkraft und Politik wie am Rhein, doch kein Mensch wäre auf den Gedanken gekommen, das als west-deutschen „Zentralismus“ zu bezeichnen.Bonn kam bieder und brav daher. Und richtig: Bis zur Wiedervereinigung waren die zwei deutschen Staaten nur teil-souverän. Gemütlich. Bescheiden. Harmlos.

In der Zwischenzeit hat selbst der letzte Hinterwäldler in Deutschland kapiert: Das Land verändert sich, wird älter und anders. Es geht um viel mehr Konkurrenz als vorher. Gerade auch zwischen den Regionen und den Städten. Der demographische Wandel ist eine Realität und die Regionen und Städte konkurrieren um Touristen, Investoren, ihre eigenen Bürger oder potenzielle Neu-Bürger. Das ist nicht nur Spielkram, sondern hat einen ernst zu nehmenden Hintergrund. Nur durch Mehreinnahmen können die Städte sich modernisieren und auch künftig lebenswert sein.

berlinDas Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat die demografischen Trends jüngst untersucht. Kurz gesagt: Entlegene Gebiete in West und Ost verlieren weiter. Metropolen gewinnen. Das gilt nicht nur für Frankfurt, München, Düsseldorf oder Hamburg, sondern auch für Leipzig, Dresden und Berlin. Gerade Berlin mausert sich nach Jahren des Umbaus und holt auf. Konkret wird ein Bevölkerungszuwachs in der Spanne von 2010 bis 2030 von rund 200.000 Menschen prognostiziert. Konservativ geschätzt: Von 3,5 auf 3,7 Millionen Einwohner, das Umland nicht mit gerechnet. Das entspricht per Saldo einem weiteren Bezirk (sozusagen dem 13.) und einer Stadt von der Größe von Braunschweig. Im Weltmaßstab ist das selbstverständlich Pipifax.

Während ich das schreibe, wird in China gerade ein weiteres Hochhaus hoch gezogen oder irgendwo in Arabien eine artifizielle Stadt in den Sand gestampft. Letztlich bist Du hier in Berlin genau richtig und lernst die Vorzüge dieser so untypischen Stadt in Deutschland schätzen und vielleicht sogar lieben. Schön, dass Du hier bist.

Bis bald,
Dein Justus

Dr. Justus Bobke ist freier Berater mit den Schwerpunkten Markenentwicklung für Städte und Unternehmen sowie Medientrainings für Führungskräfte. Er besitzt Kompetenz in den Bereichen Journalismus, Public Relations und Markenmanagement und arbeitet im Expertennetzwerk AlleFürEinen. Seit Mai 2016 ist er auch Vorsitzender des Verbandes 3DDruck in Berlin. Kontakt: +49 173 61 16 294 | jb@bobke-marke.de | mehr: www.bobke-marke.de | www.allefuereinen.net | www.verband3ddruck.berlin