BER-Happen 2: Echte Standortvorteile

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Hallo Justus,

wenn man acht Jahre am Stück draussen war, das Leben mit Rückflugticket so selbstverständlich war wie das Nasi Goreng in der nächsten Garküche, dann bietet Deutschland nach der Rückkehr neben vielem Angenehmen auch jede Menge Stolpersteine, die es in sich haben. Jetzt weiß ich natürlich, dass Berlin nicht repräsentativ für die Bundesrepublik ist. Jeder, der aus dem Rest der Republik in die Hauptstadt zieht, muss sich anpassen an diesen sehr eigenen Mix aus Multikulti und der Fülle von Eindrücken, die diese Stadt wie keine andere in Deutschland produziert.  Das ist so stimulierend wie überwältigend für jeden. Bei mir aber sind die Beobachtungen durch die räumliche und zeitliche Distanz sicher noch stärker wie durch ein Brennglas gebündelt und damit drastischer. Aber ich fange mal mit den netten Dingen in Deutschland 3.0 an. Denn das Wunderbare am Leben im Ausland ist ja auch, dass man das Eigene, das Deutsche, oft besser schätzen lernt.

Wer schon mal in Lateinamerika auf Gäste zum Abendessen warten musste, die um 20 Uhr eingeladen waren, aber geschlagene zwei Stunden in die Luft starrte, während sich die marinierten Filetspitzen im Topf in Holzkohlenbrickets verwandelten, der würdigt das Konzept „deutsche Pünktlichkeit“ um so mehr. Das Leben ist auch entspannter, wenn morgens um 5 Uhr nicht vom Türrahmen zur Küche eine Kobra baumelt oder das schwarze PC-Kabel im Büro keine Augen hat, weil sich eine Grubenotter aus dem 35 Grad feuchten Jakarta in die angenehme Klimaanlagen-Kühle des Hause verirrt hat. Von den handtellergroßen schwarzen Skorpionen ganz zu schweigen, die sich im Haus in Quito aus den Elektroschächten herausschälten, um dann am Küchenboden oder in Betten wieder aufzutauchen. Beim Baden in einem malerischen brandenburgischen See muss man auch nicht fürchten, von Salzwasser-Krokodilen oder Box Jellyfish angefallen zu werden. Ich werde auch nicht entführt, weil ich ein Iphone 5 auf der Straße benutze.

Wenn ich für umgerechnet 100 Dollar im Mittelklasse-Supermarkt in Jakarta eingekauft habe, war mein Einkaufswagen nur spärlich gefüllt, für das gleiche Geld kann ich bei Aldi, Lidl & Co. turmhohe Warenberge mitnehmen. Wunsiedel lanciert die beeindruckende Kampagne „Nazis gegen Nazis“ und ich werde auch nicht ins Gefängnis geworfen, wenn ich Frau Merkel kritisiere.

Das sind echte Standort-Vorteile, findest Du nicht, Justus?

Herzliche Grüße
Britta

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