Bedingungsloses Grundeinkommen

Heute Morgen veranstaltete die PEAG die monatliche Personaldebatte zum Frühstück, heutiges Thema: „Geben ohne Nehmen – das Bedingungslose Grundeinkommen! Ein realistisches Zukunftsmodell?“. Angesichts der Klientel dieser Veranstaltung eine recht ungewöhnliche, vielleicht sogar gewagte Themenwahl? Wirklich viel gewagt wurde allerdings nicht bei der Debatte zwischen Arbeitgebervertretern, Piraten, Journalisten, Verbandschefs und Unternehmensberatern.

Die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens birgt viele Fragen und Herausforderungen in sich, hier nur einige wenige: Wie soll der Umbau erfolgen, wie gestaltet sich die Übergangszeit, inwiefern sind in dieser Phase Rente und Sozialhilfe gesichert? Wer soll alles ein Grundeinkommen erhalten? Deutsche in Deutschland? Wie wäre das mit den europäischen Verträgen vereinbar? Müssen die Finanzierung des Gesundheitssystems (Wer übernimmt Krankenkassenbeiträge), sowie die Ausgestaltung des Sozialstaates (Würde der Staat weiterhin Altenheime oder Kitas fördern?) nicht neu geregelt werden? Vieles muss noch durchdacht, erwogen und irgendwann vielleicht doch erprobt werden.

Die Diskussion beim Frühstücken war angesichts dieser großen Fragen allerdings noch ziemlich oberflächlich und drehte sich größtenteils um das Problem der Finanzierung und der Motivation für Arbeit. Wer sich mit der BGE-Debatte beschäftigt, weiß, dass Ersteres in zahlreichen Berechnungen und ausgeklügelten Steuermodellen durchdacht wurde und als realisierbar gilt (Vergleiche hierzu die Ideen von Werner Götz oder das Ulmer Modell). Leider haben sich die Diskutanten nicht sonderlich mit derlei Überlegungen beschäftigt, sondern lediglich angenommene Zahlen in den Raum geworfen.

Bei Zweiterem treffen üblicherweise verhärtete Ideologien und unterschiedliche Menschenbilder aufeinander: So fragte Ottheinrich von Weitershausen, Arbeitgebervertreter, mehrmals warum denn die Menschen arbeiten sollten, wenn für ihr Grundeinkommen gesorgt ist, er befürchtete allgemeine gesellschaftliche Lethargie und kommunistischen Stillstand: „So tragen wir nichts zum Bruttosozialprodukt bei!“.

Ja, warum sollten denn die Menschen eigentlich arbeiten? Haben es Bürger in einem reichen Staat wie Deutschland nötig, sich zur  Existenzsicherung 40 Jahre lang in einen ungeliebten, als sinnlos empfundenen Job zu plagen? DGB-Statistiken zufolge trifft das auf jeden dritten Beschäftigten zu. Nur 13% beurteilen ihre Arbeit als gut. 

Sollten wir nicht arbeiten gehen, weil wir unser Tun als sinnvoll und wertstiftend erachten, weil wir Verantwortung übernehmen, etwas bewirken und beitragen möchten? Wären nicht derart intrinsich motivierte Arbeitnehmer ein Traum für jeden Arbeitgeber? Naiver Gutmensch heißt es da oft: Wenn wir nicht arbeiten müssten, würden mindestens 80% nicht arbeiten gehen, glauben viele. Auf die Frage, ob sie selbst arbeiten gehen würden, auch wenn ihre Existenz grundsätzlich gesichert wäre, antworten dagegen 60% JA, weitere 30% JA, ABER ich würde etwas an meinen Arbeitszeiten, meinem Arbeitsumfeld, meiner Beschäftigungsart usw. ändern wollen. Lediglich 10% geben zu, sie würden zunächst einmal ausschlafen, und dann weitersehen.

Menschen wollen arbeiten ohne Geld dafür zu bekommen? Wenn wir genauer hinsehen, gibt es das jetzt schon zuhauf: Ehrenamt, Hausarbeit, Familienarbeit, Vereinstätigkeit, Nachbarschaftshilfe und auch Freizeitbeschäftigung gehört dazu (Ich sehe nicht ein, warum beispielsweise das schweißtreibende Werken eines Hobbygärtners keine Arbeit sein soll). Erwerbsarbeit ist nur ein Teil der Arbeit, die wir verrichten. Oft wird aber nur die Arbeit, wofür man Geld verdient, gewertschätzt, ganz gleich, ob sie tatsächlich wertvoll  für uns und die Gesellschaft ist.

Ein weiterer Aspekt, warum sich einige (Arbeigeber) vielleicht gegen eine instrinsische Motivation für Arbeit stemmen, ist, dass sich damit sicherlich auch die Arbeitsbedingungen zu ändern haben, damit mehr Menschen gerne arbeiten gehen. Die Arbeitszeiten müssten humaner, familienverträglicher und das Betriebsklima freundschaftlicher werden. Damit müsste sich auch die Zielorientierung vieler Unternehmen ändern. Geradezu ein Paradigmenwechsel wäre nötig: Von der Gewinnmaximierung der Gewinnmaximierung wegen, von der Expansion der Expansion wegen, vom Geld des Geldes wegen hin zum Arbeiten und Wirtschaften, um Wohlstand zu schaffen für ein glückseliges Leben. Glückseligkeit für alle, ja das war auch irgendwann einmal ein Ziel des Staates.

 

Anmerkung: Ich bin nicht grundsätzlich und uneingeschränkt für das BGE, das Modell ist mit Sicherheit noch nicht ausgereift! Mir gefällt auf jeden Fall seine Grundidee – das Verhältnis von Ökonomie und Gesellschaft, von Arbeit und Individuum jenseits(!) von kommunistischer und kapitalistischer Ideologie neu zu gestalten – ungemein gut.

Wen das Thema BGE interessiert, dem kann ich das Film-Essay von Daniel Häni und Enno Schmidt  „Grundeinkommen – ein Kulturimpuls“  empfehlen.

 

 

Bedingungsloses Grundeinkommen d7e2902cbe439acfbe5058e184a0a4d5 s 100 r g
Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.