Baukultur – was ist das?

Foto: WissenLeben | cc Lizenz 2.0
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Der Begriff Baukultur ist eingängig und wird oft genutzt. Es gibt eine Bundesstiftung Baukultur, der Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine (DAI) gibt eine gleichnamige Fach- und Verbandszeitschrift heraus und kein Architekt würde von sich behaupten, dass ihm die Baukultur egal sei. Baukultur ist mehr als die Summe seiner Teile: Bau und Kultur. Die gebaute Umwelt ist zwar omnipräsent, aber mitnichten immer „Hochkultur“. Vielmehr soll der Begriff eine Wertschätzung der entworfenen Umwelt in Stadt, Dorf oder Landschaft entgegenbringen. Das gebaute Objekt, der Landschaftspark sind zunächst von ihrer eigenen Ästhetik getragen. Aber erst ihr Bezug zum Standort, ihre kontextuelle Wirkung, das ist es, was dem Begriff Baukultur gerecht wird.
Vielleicht hinkt der Vergleich, aber wenn Fernsehnachrichten bei Wort und Bild abweichen, fällt es sofort auf. Wenn das Gesagte aber mit den Bildern kongruent ist, kann man sich voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren. Dieses „lautlose“ Beispiel soll die Baukultur im Alltäglichen charakterisieren. Wenn sich Objekte unauffällig – auch wenn sie in Form und Materialität vielleicht ein wenig extravagant sind – einfügen in ihre Umgebung, dann lässt sich von einer Stein gewordenen kulturellen Leistung sprechen.

Mit Blick auf die Architektur wird insbesondere in der Öffentlichkeit zu wenig über die ganzheitliche Qualität eines Gebäudeentwurfs gesprochen. Gerade in der aktuellen Zeit geht es um sektorale Aspekte wie Energieeffizienz oder Wirtschaftlichkeit. Indem über Verfahren und Prozesse diskutiert wird, kommt die Wertediskussion rund um die Baukultur zu kurz. Welche Ressourcen materieller und konzeptioneller Art haben wir für das Planen und Bauen über das pragmatische Maß hinaus zur Verfügung bzw. wollen wir zur Verfügung stellen?

Planen und Bauen muss den Stellenwert einer Kulturleistung bekommen. Es reicht eben nicht, ein Dach über dem Kopf zu haben. Das kann ein Zelt im Zweifel auch bieten. Eine Kulturleistung kann nur zustande kommen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Angefangen bei der Ausbildung von Architekten und Ingenieuren, über die öffentliche Verwaltung, die mehr Fachpersonal benötigt bis hin zur öffentlichen Debatte mit Bauherren und Investoren, die über Wettbewerbe die Besten Entwürfe für ihr Projekt suchen und damit indirekt einen Gemeinwohlanspruch formulieren, reicht das Aufgabenfeld.

Die Schaffung einer wahren Baukultur ist und bleibt Gemeinschaftsaufgabe. Hier hat jeder seine Verantwortung wahrzunehmen. Und wenn es auch „nur“ der zunächst unbeteiligte Bürger ist, der über einen möglicherweise städtebaulichen Zusammenhang bei einem Bauvorhaben in seiner Nachbarschaft nachdenkt und sich in die Diskussion einbringt. Planen und Bauen ist immer auch öffentlich. Erst wenn das verstanden und umgesetzt wird, kann sich eine Gesellschaft mit dem Prädikat „Kulturleistung Planen & Bauen“ schmücken.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.