Konkurrenz belebt das Geschäft | Nina Polastri

Nach Axa und TK kommt mit „Vivy“ jetzt ein weiteres eGA-Produkt auf den Markt.

Vor 15 Jahren wurde in Deutschland die elektronische Gesundheitskarte beschlossen – und trotzdem ist sie immer noch nicht da. Im Mai hatte Gesundheitsminister Jens Spahn sogar Zweifel an der Aktualität der Chipkarte geäußert, denn Kartenlesegeräte am Desktop als alleinige Zugangsmöglichkeit entsprächen nicht den Wünschen der Patienten. Die bevorzugten stattdessen eine einfachere Lösung, zum Beispiel über das Handy.Read more


(E)Sport, das Scheitern eines eindimensionalen Begriffs | Julian Howe

Der deutsche Spitzensport und die Sportkultur

Die olympischen Winterspiele in Korea sind vorbei. Wer die Sportnachrichten verfolgte, hat bemerkt, dass die deutschen Olympioniken überaus erfolgreich waren. Deutschland schloss die Olympiade mit 14 Gold- und einigen Silber- und Bronzemedaillen ab und war damit der zweiterfolgreichste Teilnehmer in Pyeongchang.Read more


Kostentreiber Nummer eins am Bau

Baugrube

In der Bundesrepublik fehlen rund 1 Million Wohnungen. „Bezahlbaren Wohnraum schaffen“ stand groß auf den Fahnen aller Parten in den Wahlkämpfen auf Landes- und Bundesebene 2017. Man fragt sich schon, warum bei so viel Willensbekundung der (bezahlbare) Wohnungsbau als derart schwere Geburt daherkommt.Read more


Die EU-Datenschutzgrundverordnung bringt ab Mai 2018 spürbare Veränderungen

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Wer im Mai letztes Jahr dachte, dass es bis Mai 2018 noch weit ist, wird überrascht feststellen, dass dem heute nicht mehr so ist. Ab dann ist die richtige und sichere Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGV) gefordert. Sie löst die seit 1995 geltende und veraltete EU-Datenschutzrichtlinie ab.Read more


Frankreich wählt und Europa bangt | Alexander Krüger

Bild: StockSnap_4HZ825O3GH
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Solch einen engagierten Mitarbeiter im Praktikum kann man sich nur wünschen. Alexander Krüger hat zum Abschluss seines Praktikums seine Gedanken zur Wahl in Frankreich und deren Bedeutung für Europa für Spreepublik in Worte gefasst.

Am 23. April wählen die Franzosen einen neuen Staatspräsidenten. Dabei könnte die Wahl auch zu einer Abstimmung über die Zukunft der Europäischen Union werden.Read more


Die Forderung einiger Unionspolitiker ist nicht ursachenadäquat | Melike Vardar

 metropolico.org | Lizenz: CC by 2.0

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Im Laufe einiger terroristischer Anschläge in Deutschland und Europa wurden die ersten Forderungen zu innerpolitischen Vorbeugungsmaßnahmen laut. Während im Verteidigungsministerium der Einsatz der Bundeswehr im Inneren diskutiert wird, stellt der Bundesminister des Innern eher moderate Forderungen, die nicht zur Isolierung gewisser Gruppen oder Angst in anderen Bevölkerungsschichten beitragen sollen. Diese sind unter anderem die Stärkung der Polizeieinsatzkräfte, die Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht und mehr Cyber-Sicherheit.

Andere Unionspolitiker wiederum fordern ein „Burka-Verbot“, welches nicht nur vom Innenminister und dem Bundespräsidenten, abgelehnt wird. Während ein solches Verbot im Diskurs des Vermummungs- und Maskierungsverbots platziert und diskutiert werden sollte, ist die Forderung im Bereich der sogenannten Terrorabwehr ein wenig fehl am Platz. Zum einen wird aufgrund der falschen Platzierung innerhalb der Terrorabwehr suggeriert, dass es berechtigt sei, sich vor Menschen in Burkas zu fürchten. Zum anderen widerspricht es der Religionsfreiheit. Auch wenn die Burka nicht per se Teil und Zwang der islamischen Religion ist, wird eine Verschleierung vorgeschlagen beziehungsweise nicht abgelehnt. Demnach kann die Burka als ein Zeichen der Auslebung der Religion angesehen werden. Es sei dahingestellt, ob die Burka oder das Kopftuch persönlich unterstützt wird, oder eben nicht. Weiterhin wäre das Verbot eine rein äußerliche Angelegenheit. Wenn die Burka als ein ‚extrem-religiöses‘ Konzept angesehen wird, kann der Gedanke der Religiosität nicht allein durch die Aufhebung der Kleidung fruchten. Denn in den Köpfen ist die Religion immer noch vorhanden und (diskriminierende) Verbote gelten im Extremfall gar radikalen Gruppierungen als Nährboden, um eine Bestärkung der Meinung zu erlangen. Durch diese Isolation von Menschengruppen entstehen verstärkte Feindbildmuster, denn ab dem Zeitpunkt wird der „Wir-und-die-Anderen“-Gedanke erst politisiert.

Als ob diese Forderung nicht bereits ausreicht fordert die Rechtsexpertin der Unionsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker, ein Kopftuchverbot für Richterinnen. Ihre Argumentation lautet, dass es zu keinem Zeitpunkt zur zweifelhaften Rechtsprechung kommen soll. Zweierlei Anmerkungen: Erstens ist es nicht nur diskriminierend gegenüber Frauen, da sie diejenigen sind, die in der islamischen Religion ein Kopftuch tragen, sondern unterstellt auch, dass das Tragen eines Kopftuches, als ein Zeichen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion, ein Ausdruck dafür sei, dass jene Person nicht mehr unabhängig und im Rahmen der deutschen Gesetzgebung entscheiden könne. Zweitens: eine solche Entscheidung kann als Folge eines allgemeinen Verbots religiöser Symbole in der Judikative als berechtigt oder eben nicht diskutiert werden. Auch hier: Diese Forderung ist nicht ursachenadäquat, denn das Verbot oder der Verzicht auf religiöse Symbole ist kein Indiz dafür, dass die Religion im Leben der Menschen keine Rolle spielt. Wie Menschen, die religiöse Symbole tragen wollen, nicht nachsagen darf, dass eine religionsunabhängige Rechtsprechung nicht möglich sei, so kann durch ein Verbot der Symbolik nicht davon ausgegangen werden, dass religionsunabhängig Recht gesprochen wird.  Weiterhin kommt es hier zu einer Minderheitendiskriminierung, die ebenfalls gegen die Religionsfreiheit und die damit verbundene Wahl des Tragens eines Kopftuches und somit gegen Artikel 2, 3 und 4 des Grundgesetztes verstößt. Kurzum: Dass diese Frauen hier in Deutschland, an deutschen Universitäten, deutsches Recht studiert haben, wird in diesem Fall vollkommen ignoriert.


Die Unendliche Geschichte des BER | Tessa Ludolph

Foto: Christoph Settgast |

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Seit Jahren treibt die Pannen-Serie des BER nicht nur Berlin, sondern ganz Deutschland um. Die geplante Öffnung 2007 ist, durch eine Vielzahl weiterer Eröffnungsdaten (2011, 2012, 2013…), schon fast in Vergessenheit geraten. Neues Ziel: 2017.

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Trinkwasserkatastrophe in Bangladesch | Tessa Ludolph

|jens johnsson|
|jens johnsson|

In Deutschland haben wir das Glück, uns kaum Sorgen machen zu müssen, wenn wir uns ein Glas mit Leitungswasser einschenken. Natürlich gibt es auch hier noch starke Verbesserungsmöglichkeiten, gerade, wenn man Anbetracht zieht, für welche Bereiche Trinkwasser unabkömmlich ist – so auch der Gesundheits- und Öffentlichkeitsbereich. Wirft man aber einen Blick über den Globus und verweilt in Bangladesch, so wird deutlich, mit was für katastrophalen Mängeln bei der Trinkwasserversorgung ein Großteil der Menschheit lebt - denn Bangladesch ist kein Einzelfall.

Der Human Rights Watch Report vom 6. April kommt zu dem Ergebnis, dass ca. 20 Millionen Menschen in Bangladesch mit Arsen vergiftet Wasser trinken. Eine Arsenvergiftung kann bei langfristiger Einnahme des Giftes zu Leberschäden, Nieren-, Haut-, und Lungenkrebs führen und fordert in Bangladesch laut Human Rights Watch bis zu 43.000 Tote im Jahr. Wie auch in vielen anderen Länder betrifft dieses Problem meistens den armen, ländlich lebenden Teil der Bevölkerung. Die Gewinnung von mit Arsen vergifteten Trinkwassers erfolgt häufig durch Brunnen, die nicht tief genug gebohrt wurden. Ein 2004 ins Leben gerufenes Projekt sollte Abhilfe schaffen – Spenden für rund 13.000 neue Brunnen in ländlichen Gegenden wurden mobilisiert. Dennoch zeigt sich kaum eine Verbesserung.

Die Frage, die sich nicht nur die Regierung Bangladeschs stellen sollte, sondern auch die Spender ist, wo das Geld für die Brunnen eingesetzt wurde. Dem Report von Human Rights Watch folgend werden neue Brunnen immer wieder zu Gunsten Unterstützer und Verbündeter von nationalen und lokalen Politikern gebaut. Die Verantwortung, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, liegt sowohl bei der Regierung, als auch bei den Unterstützern und Spendern des Projektes. Wenn sie in der Lage sind dieses Projekt noch zu retten, können sie als Vorbild für viele Länder mit den gleichen Problemen fungieren.

 

Der vollständige Report unter: https://www.hrw.org/news/2016/04/06/bangladesh-20-million-drink-arsenic-laced-water


Pritzker-Preis für Alejandro Aravena | Tessa Ludolph

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Am Montagabend erhielt Alejandro Aravena den Pritzker-Preis, eine der wichtigsten Auszeichnungen für Architekten. Er tritt damit in die Fußstapfen der kürzlich verstorbenen Ausnahme-Architektin Zaha Hadid, die weltberühmt war für ihre spektakulären und luxuriösen Bauwerke, wie etwa den Innovation Tower in Hongkong, das Maxxi-Museum in Rom oder das Zentralgebäude des Leipziger BMW-Werkes. Ihre Arbeit steht damit im starken Kontrast zu den Werken Aravenas. Seine Arbeiten zeichnen sich sowohl durch die Verknüpfung von Design und Nachhaltigkeit, als auch durch sein Engagement im sozialen Wohnungsbau aus. Spätestens mit der Gründung von ELEMENTAL in 2000 haben sich Aravena und seine Mitarbeiter mit ihrer Arbeit einem sozialen Ziel verschrieben. Aravenas Werke präsentieren sich damit als Teil des sozialen Gewissens der Architekturwelt. Aravena entfernt sich auf diesem Weg von der Vorstellung als Architekt nur an eine Rolle, die des Designers, gebunden zu sein und wird zu einem Vorbild für viele Nachwuchsarchitekten.

Mit seinem Verständnis für Design und soziale Entwicklungen sticht er aus der Architekturwelt heraus. Dementsprechend fällt auch das Urteil von der Jury des Pritzker-Preises aus: Sie lobt insbesondere sein Verständnis dafür Räume zu schaffen die sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen, seine bedachte und nachhaltige Nutzung von Materialen sowie seinen anhaltenden Einsatz für Entwicklung von öffentlichen Plätzen die dem Gemeinwohl zu Gute kommen.

Die bekanntesten Bauten des chilenischen Architekten stehen auf dem Campus der Katholischen Universität von Chile in Santiago. Neben diesen extrem energieeffizienten Gebäuden in der Hauptstadt, wurde mit der Projektreihe von ELEMENTAL durch den Bau von Minimalwohnungen eine Antwort auf ökonomische und räumliche Grenzen geschaffen. Mit der Starthilfe zum eigenen Heim legte das Projekt ELEMENTAL den Grundstein für den Eigenbau.

Bei dem steigenden Wohnraumbedarf in deutschen Großstädten und dem Ziel energieeffizienter und sozialer Wohnräume würden wir uns über Arbeiten Aravenas auch hier zu Lande freuen.

 

Weitere Information zu der Auszeichnung und der Arbeit von Alejandro Aravena unter:

http://www.pritzkerprize.com/2016/jury-citation

http://www.elementalchile.cl/

 


Wählen aus dem deutschen Einheitsbrei zu Krisenzeiten | Ronja von der Heydt

Dennis-Skley | License: CC by 2.0
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Mit viel Spannung erwartet und am Ende mit vielen Überraschungen: die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Die Gewinner stehen nun fest; es ist vor allem die AfD. Doch auch andere gehen mit einem Lächeln aus der Landtagswahl hervor, die mehr an eine vorläufige Bundestagswahl erinnert. In Baden-Württemberg waren es die Grünen, die sich klar von allen anderen absetzen konnten, allerdings mussten sie in den anderen Bundesländern sogar um ihren Einzug zittern. Eine weitere Überraschung gab es für Malu Dreyer und die SPD in Rheinland-Pfalz, die sich entgegen der Prognosen gegenüber der CDU mit Spitzenkandidatin Klöckner durchsetzen konnte. Doch auch hier war dieser Erfolg an den Landesgrenzen vorbei, verbuchte die einst als Bürgerpartei gehandelte SPD in den beiden anderen Ländern mehr als 10%  -Punkte Einbußen. Spätestens in Sachsen-Anhalt wird dann deutlich, einziger Gewinner in allen drei Wahlen ist die AfD, die sich im Osten mit fast 25% an die Spitze direkt hinter die CDU setzt. Mit etwas über 15% in Baden-Württemberg liegt sie hier noch vor der SPD!

Da stellt sich die Frage, ob sie nun neue „Bürgerpartei der rechten Mitte“ oder doch nur eine der zahlreichen Eintagsfliegen ist, die mithilfe zahlreicher „Denkzettel-Wähler“ die politische Landschaft kurzzeitig aufmischen? Den Erfolg der AfD haben am Montag viele Politiker eingeräumt. Ernst nehmen müsse man die Rechten jetzt, eine inhaltliche Auseinandersetzung will Kanzlerin Merkel angehen. Mit einem Blick auf die Wahlanalysen hätte dieser Ansatz vielleicht schon vor der Wahl geholfen. Denn so überraschend die anderen Ergebnisse auch waren, mit einem Gewinn der AfD konnte jeder rechnen. Interessant dabei sind nun die Aussagen der Wähler. Laut den Befragungen der Tagesschau sind in allen drei Bundesländern die Wahlentscheidungen der Wähler mehrheitlich aus Überzeugung von der eigenen Partei gefallen. Fast spiegelbildlich stellt sich dazu das Ergebnis unter den AfD-Wählern auf. Zu ähnlichen Prozentpunkten wird hier aus Enttäuschung von anderen Parteien gewählt. Im Klartext heißt das, während Wähler von CDU über Grüne bis SPD aus Überzeugung der jeweiligen Partei ihr Kreutz setzten, wählen die AfD-Wähler überwiegend aus Enttäuschung von anderen Parteien. Allein die FDP wird zu ähnlichen Teilen aus beiden Beweggründen gewählt. So etabliert sich die AfD nicht als Bürgerpartei, sondern als Protestpartei in allen drei Landtagen. [http://bit.ly/1YVwcSi]

Mit viel Medienecho und vielen Parolen konnte die AfD punkten, zum Erschrecken der demokratischen Parteien – eine Parallele zu Amerika? Schon vor den Wahlen wurde die Flüchtlingspolitik Angela Merkels in den Mittelpunkt der Landtagswahlen gerückt, Testfahrt für die Bundestagswahl. Doch was das Ergebnis aussagen würde, war schwer zu analysieren. Nun steht es fest: die CDU verliert, doch Merkel gewinnt. Vielleicht durch die Angst vor genau diesem Rechtsruck haben sich die CDU Spitzenkandidaten im Wahlkampf von Merkels Politik entfernt. Ein härterer Ton wurde vor allem von Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz angesprochen. Diese Strategie ging nach hinten los. Die Abstrafung der CDU durch die Wähler wird nun als Bestätigung Merkels gedeutet. Von einem Trump als Sprecher für die Mehrheit der Bürger sind wir also noch weit entfernt.

Geschlossenheit steht als großes Fragezeichen im Raum. Die Parteienlandschaft wurde aufgewühlt und Bündnisse müssen nun geschmiedet werden. In einem Punkt sind sich dabei alle Parteien schon einig – eine Zusammenarbeit mit der AfD ist ausgeschlossen. Eine weitere Frage beschäftigt alle Parteien von schwarz bis pink; wie bekommen wir unsere Wähler wieder? „Der Spiegel“ [http://bit.ly/1RZc3rM] stellt eine Lösung vor: Geschlossen hinter seiner Partei stehen mit den Standpunkten, die sie vertritt. Politischer Diskurs und starke Abgrenzung von anderen ist hier das Stichwort von Stefan Kuzmany. Aus dem deutschen Einheitsbrei der Parteien könnten sich so in der Parteienlandschaft wieder mehr Alternativen als eine Blaue bilden.

Einen Super-Sunday wird es so wohl wieder erst im November geben, wenn die Alternativen dann vermutlich Trump und Clinton heißen. Doch Im September können wir nochmal richtig mitfiebern, denn dann heißt es wählen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Es ist zwar noch etwas hin doch nach den überraschenden Wahlen am Sonntag stellen sich spannende Fragen für die SPD in Mecklenburg-Vorpommern und ein interessantes Ergebnis der AfD in der Hauptstadt! Eins haben alle Wahlen in diesem Jahr schon jetzt gemeinsam, sie drehen sich um Kanzlerin Merkel und ihre Politik, die dann 2017 zu ihrem härtesten Prüfstein gelangt.


Zwischen Politik, Bauherrn und Anwohnern – Gestaltungsbeiräte als vermittelnde Experten | Ronja von der Heydt

Statistik aus "Baukulturbericht 2014/ 2015", S. 107
Statistik aus "Baukulturbericht 2014/ 2015", S. 107

Ein Gestaltungsbeitrat hat die Aufgabe die Stadt in der Planung von Bauten zu unterstützen und mit unabhängiger Expertenkompetenz als Berater zu dienen. Dabei vermittelt er nicht nur bei aktuellen Bauvorhaben zwischen Bauherr und Öffentlichkeit. Auch für die Politik ist er von Vorteil, da er zu den Bewohnern eine informierende Funktion übernimmt. Eine tolle Sache, dennoch gibt es nur rund 100 eingetragene Beiräte in Deutschland, vereinigt (u.a.) im Förderverein Bundesstiftung Baukultur e.V. Die meisten in NRW und dem süddeutschen Raum. Ein gutes Zeichen: in den letzten Jahren steigt die Zahl, vor allem in den größeren Städten. Kleineren Kommunen fehlen für einen Gestaltungs- bzw. Baukulturrat meist die organisatorischen und finanziellen Mittel.

Die bis jetzt eher als Ausnahmeerscheinung dastehenden Gestaltungsbeiräte zeigen jedoch eine dynamische Struktur. Mit einem Konzept, welches die Beiräte durch eine temporäre Beratung an verschiedenen Orten zuständig werden lässt, können auch kleinere Ortschaften das Fachwissen der Experten nutzen. Ein Projekt dazu wurde in Mecklenburg-Vorpommern gestartet (Baukulturbericht 2014/ 2015, S. 106). Das hat auch das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur in Baden-Württemberg erkannt und fördert Gestaltungsbeiräte durch Gelder an Kommunen in seinem Land (https://mvi.baden-wuerttemberg.de/de/planen-bauen/staedtebau/baukultur/gestaltungsbeiraete/).

Auch in Bayern liegt man nun voll im Trend. Mit der Planung eines Bauvorhabens stehen in Dachau nun verschiedene Fraktionen, wie das Bündnis für Dachau und die CSU hinter einem ständigen Gestaltungsbeirat. Auch die Bürger sind einer Meinung, denn von dem der Architektenkammer gebildeten Beirat versprechen sie sich ein größeres Vertrauen als gegenüber dem Bauherrn. Bis jetzt hatte ein temporärer Gestaltungsbeirat das Bauvorhaben unterstützt. Zu einer modernen zukunftsorientierten Baukultur in Deutschland würden die Gestaltungsbeiräte in jedem Fall etwas beitragen.


Japanische Kultur wird zu Baukunst | Ronja von der Heydt

Jean-Baptiste Maurice | License: CC by 2.0
Jean-Baptiste Maurice | License: CC by 2.0

An der Harvard University in Cambridge untersuchen Forscher die Origami Falttechnik aus Japan. Ein flaches Blatt Papier kann dabei in verschiedenste Formen gebracht werden – natürlich nur mit der richtigen Technik. Die Miura-Faltung interessiert die Forscher um L. Mahadevan besonders. Mit ihr werden gekrümmte Oberflächen erschaffen, wobei die zunächst große Oberfläche des Papieres auf eine Kleinere komprimiert wird. Durch gezielt angesetzte Faltkanten entstehen viele kleine Parallelogramme, die zu einer drastischen Verkleinerung der Oberfläche führen. An nur zwei Punkten bewegt, lässt sich die Oberfläche des gefalteten Papiers flexibel verändern, bis hin zu einer völlig komprimierten Form.

Die Materialforscher stellten fest, dass sich durch diese enorme Flexibilität komplexere Formen, wie Zylinder, erstellen lassen. Dafür verantwortlich ist eine Nanostruktur, die sich bei dieser bestimmten Falttechnik ergibt. Bei verschiedenen Test konnte die Miura-Faltung punktuell so verändert werden, dass sogar auch Kugeln und Vasen entstanden. Die Forscher haben dafür eine Software entwickelt, die die genaue Position der Faltungen berechnet. Ziel der Forscher ist jede beliebige Form mit der richtigen Falttechnik umzusetzen. Dabei sind vor allem dicke Materialien eine Herausforderung, welche nur mit Scharnieren gefalten werden können.

Für diese Forschung gibt es verschiedenste Anwendungsbereiche, wie die Solartechnik, die Raumfahrt oder ganz alltägliche Dinge, wie den Airbag. Auch in der Architektur soll die Forschung Anwendung finden. Architekten und Ingenieure müssen meist viel Material auf einer kleinen Fläche unterbringen. Der Ansatz der Forscher ist damit auch für den Bau von großer Bedeutung. Somit könnte die Jahrhunderte alte Kultur aus Japan mit den unterschiedlichsten Materialien moderne Architektur gestalten. Schon jetzt gibt es einige Gebäude, die nach dem Origamivorbild gestaltet worden, wie das Gesundheitsministerium in Bilbao, Spanien. Die spezielle Miura-Faltung könnte nun weitere Möglichkeiten eröffnen mit verschiedensten Materialien auch gekrümmte Oberflächen zu gestalten.

Eine weitere Anwendung sind Papphäuser. Hierbei hat ein Forschungsprojekt der TU Darmstadt schon vor zwei Jahren einen Prototypen für eine wetterfeste, zusammenfaltbare Flüchtlingsunterkunft vorgestellt. Solchen innovativen Ideen treten aktuellen Platz- und Zeitprobleme entgegen. Eine interessante Forschung, von der sicherlich noch viele weitere Entwicklungen ausgehen.


Wenn Wasser krank macht | Ronja von der Heydt

John Jones | License: CC by 2.0
John Jones | License: CC by 2.0

Flint, eine ehemals boomende Stadt im US-Bundesstaat Michigan, erfährt im 21. Jahrhundert einen evolutionären Tiefpunkt. Nach einem goldenen Industriezeitalter während der Fahrzeugindustrie, steht die Stadt nun seit ein paar Jahren vor dem Bankrott. Eine hohe Arbeitslosenquote, unterstützt von hoher Armut und Kriminalität, führen zu vielen sozialpolitischen Problemen. Mit der Stadt sollte es wieder aufwärts gehen; aber wie? Der republikanische Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, verordnete einen drastischen Sparplan. Es wurde ein Verwalter eingesetzt und der Haushalt der Stadt wurde übernommen, doch was folgte, brachte keines Wegs eine Besserung!

Aus Kostengründen beschloss die Stadt, das Trinkwasser nicht mehr aus dem weitentfernten Detroit, sondern aus dem Fluss direkt in Flint zu beziehen. Das war vor knapp zwei Jahren. Seitdem gingen bei der Stadt nicht nur von Bürgern, sondern auch von Ärzten viele Beschwerden über braunes Wasser, Haarausfall und Hautausschläge o.ä. ein. Die Stadt Flint beteuerte dabei immer wieder den unbedenklichen Genuss des „Trinkwassers“ aus dem Hahn. Nach eineinhalb Jahren konnte ein Forschungsteam, von besorgten Bürgern engagiert, Blei in dem Wasserhahnwasser nachweisen. Das verunreinigte Wasser aus dem Flint-Fluss wurde nicht richtig aufbereitet und hat über die lange Zeit das Blei in den alten Wasserrohren ausgespült. Erst nach dieser Entdeckung handelten die Verantwortlichen. Ein Notstand wurde ausgerufen und die Bewohner in Flint wurden dazu angehalten das Wasser aus dem Wasserhahn nicht mehr zu benutzen. Zu diesem Zeitpunkt war der Bleiwert im Blut der ein- bis fünfjährigen drei Mal höher als normal. Blei hat, vor allem bei Kindern, schwere Einschränkungen der Entwicklung zur Folge und hat auch auf folgende Generationen Auswirkungen. Die kleinen Bewohner Flints müssen sich nun regelmäßigen Bluttests unterziehen.

Im vergangenen Oktober dann wurde das Wassernetz doch wieder an die Trinkwasserversorgung von Detroit angeschlossen. Dennoch befindet sich bis heute das Schwermetall im Leitungswasser. Die zuvor von dem verunreinigten Wasser angerichteten Schäden an den Wasserleitungen haben nun zur Folge, dass selbst sauberes Wasser verschmutzt wird. Nach dem Super Gau der Schwermetallvergiftung der 10.000 Einwohner kommen nun Kosten von ca. 1,5 Milliarden US Dollar auf die Stadt zu, um die Trinkwasserversorgung zu sanieren.

Die Stadt wird nun von der Bundesagentur für Katastrophenschutz (FEMA) unterstützt, die Trinkwasserflaschen zur Verfügung stellt. Mitte Januar schaltete sich auch US Präsident Obama ein. Er äußerte sich entsetzt über den Zustand in Flint und betonte, dass es keine Alternative sei an der Grundversorgung des Volkes zu sparen. Bis jetzt gab es für die Bewohner von Flint lediglich eine Entschuldigung ihres Gouverneurs. Stimmen, die für einen Rücktritt plädieren, werden immer lauter. Zu Recht, denn ist die Grundversorgung nicht mehr gesichert, hat der Staat seine prioritäre Aufgabe verfehlt.


Deutschlands Bauvorhaben – zwischen Rekonstruktion und Neubau

loewe.chr | CC license by 2.0

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Dieser Tage wird in den deutschen Städten soviel gebaut, wie schon lange nicht mehr. Dabei genießen Großprojekte, wie Stuttgart 21, die Elbphilharmonie in Hamburg und der BER besondere mediale Aufmerksamkeit.

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