Austausch ist der Beginn von Integration – auch und gerade in Europa

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Gestern fuhr ich mal wieder Bus: Draußen die ersten Vorboten des Frühlings. Drinnen unterhielten sich zwei junge Frauen über Gott und die Welt. Die eine aus Indien, die andere aus Japan. Beide verständigten sich auf Deutsch. Nichts Ungewöhnliches für Berlin. Ein schönes Beispiel wie Integration funktioniert. Es müssen zunächst noch gar nicht die gleichen Werte und Anschauungen sein. Integration setzt zunächst nur den gegenseitigen Austausch voraus.

Seit dem 15. Dezember 1995 – also gut zwanzig Jahre lang – gibt es die Euroregion Pomerania. Kennen Sie diese deutsch-polnischen Region? Hätten Sie gewusst, dass sie eine beachtliche Fläche umfasst: Den vorpommerschen Teil von Mecklenburg-Vorpommern, den nordwestlichen Teil Polens und die nordöstlichen Teil Brandenburgs. Streng genommen fahren sie in die Euroregion Pomerania, wenn Sie beispielsweise auf der Bundesstraße 2 die Berliner Stadtgrenze in Richtung Bernau passieren. Woher bekommt man Information über diese an sich wünschenswerte regionale Brücke zwischen Deutschland und Polen? Unter www.pomerania.net findet man einen Auftritt, der – höflich formuliert – sich zurückhaltend gibt. Dabei ist die Natur der Region grandios, die polnischen Strände bei Wollin, Kolberg oder Köslin sind Legende. Auch liegen einige die attraktivsten Urlaubsdestinationen der deutschen Ostseeküste in besagter Euroregion: Rügen, Usedom und der Darß. Urlauberherz, was willst Du mehr?

Doch schon bei der offensichtlichen Gemeinsamkeit – dem einmaligen touristischen Angebot – gibt es offenbar immer noch eine Grenze im Kopf. Ein Beispiel: In den vergangenen Jahren wurde auf deutscher aber vor allem auch auf polnischer Seite viel investiert. Gerade im Bereich der Häfen, denn das Revier an der Odermündung ist ein Traum. Zwar gab es ein regionales und somit grenzübergreifendes Tourismuskonzept. Zwar gibt es EU-Fördermittel zur gemeinsamen Vermarktung und doch vermarkten sich die Akteure solo. So promotet sich die westpommersche Segelroute allein. Ähnlich machen es die Vermarkter von Mecklenburg-Vorpommern, in einem Land, in dem Tourismus eine extrem wichtige Einnahmequelle ist. Es wäre ein leichtes gewesen, das großartige Angebot auf deutscher Seite mit dem auf polnischer Seite miteinander zu verzahnen. Denn gerade das Meer – und insbesondere die Ostsee verbindet die Länder miteinander. So sind die Angebote gut, doch noch längst nicht so beeindruckend wie sie sein könnten. Die Akteure pütschern – um im norddeutschen Jargon zu bleiben – trotz Sonntagsreden und politischen Beteuerungen vor sich hin.

Es bleibt die Frage, ob besagter Inderin oder Japanerin überhaupt in den Sinn käme, sich im Sommer in der Euroregion Pomerania zu sonnen und baden zu gehen. Vermutlich nicht. Es scheint, als sprächen die Vermarkter der Euroregion Pomerania im tatsächlichen und übertragenen Sinn noch nicht eine Sprache. Das wird aber dringend Zeit, denn gerade solche eher strukturschwachen Regionen können sich durch gemeinsame Anstrengungen heute den Erfolg von morgen sichern. Immerhin war die Gegend einmal die Badewanne Berlins.

Dr. Justus Bobke ist freier Berater mit den Schwerpunkten Markenentwicklung für Städte und Unternehmen sowie Medientrainings für Führungskräfte. Er besitzt Kompetenz in den Bereichen Journalismus, Public Relations und Markenmanagement und arbeitet im Expertennetzwerk AlleFürEinen. Seit Mai 2016 ist er auch Vorsitzender des Verbandes 3DDruck in Berlin. Kontakt: +49 173 61 16 294 | jb@bobke-marke.de | mehr: www.bobke-marke.de | www.allefuereinen.net | www.verband3ddruck.berlin