Aus dem Tagungssaal ins Web: 7 Schritte zum richtigen Live-Twittern

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Kongresse, Messen und sonstige Fachevents sind eine der effektivsten Formen überhaupt, wichtige Entscheider aus derselben Branche zusammen zu bringen und gleichzeitig Relevanz für das eigene Unternehmen oder den Verband zu schaffen. Vor allem für aufstrebende politische Verbände ist dies auch von äußerster Notwendigkeit. Wer eine große Reichweite erzeugen will, sollte die Kunst des Live-Twitterns beherrschen.

Mittwochnachmittag. Ich sitze in der Lobby des Sheraton Hotels in Berlin-Mitte und sehe dabei zu, wie die Aussteller hektisch und hochkonzentriert ihre Messestände aufbauen. Morgen findet der BVDVA-Kongress statt, der Fachkongress der Versandapotheker, der wichtige Vertreter der Versandapotheken-, Logistik- und Paymentbranche zusammenbringt: DocMorris, DHL oder barzahlen, sie alle sind hier, um über die Zukunft der Versandapotheken zu sprechen. Mit knapp 250 Teilnehmern ist der Kongress bereits von beachtlicher Größe, bedenkt man jedoch, dass es in Deutschland mehr als 3.300 lizenzierte Versandapotheken gibt, stellt man fest, dass hier noch immenses Potenzial herrscht. Wie also schafft man einer digital ausgerichteten, zukunftsorientierten Branche mehr Öffentlichkeit und mittel- bis langfristig mehr Teilnehmer?

Lassen wir die herkömmlichen PR-Instrumente wie Pressemitteilungen, Newsletter und postalische Einladungen (so richtig mit Briefmarken und so) mal außen vor. Keine Idee? Ein noch junges, aber bereits in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ist das Live-Twittern von Großveranstaltungen. Ich twittere in den kommenden beiden Tagen live vom Kongress und habe im Vorfeld ein Tweet-Konzept bestehend aus 7 Punkten erstellt, um auch virtuell ein Event mit echtem Mehrwert, aber auch genug Unterhaltung, zu schaffen.

 

1 Wähle einen offiziellen Hashtag

Nehmen wir uns doch mal die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zum Vorbild. Jedes Tor, jeder Fehlpass und jeder Jubelschrei wurde in Echtzeit auf Twitter unter dem Hashtag #wm2014 diskutiert und hat auf diese Weise eine Art Community innerhalb der Community geschaffen, die sich zu jedem Spiel unter diesem Hashtag zusammenfand und einen Austausch und im Bestfall gegenseitige Follows bescherte. Die WM hatte dadurch, auch wenn Sie viele tausend Kilometer entfernt von Deutschland in Brasilien stattfand, auch in Deutschland Live-Event-Charakter erhalten und man war zweifelsohne mittendrin statt nur dabei.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es äußerst wichtig, sich im Vorfeld auf einen Hashtag zu festzulegen, unter dem alle Tweets veröffentlicht werden, und diesen in Pressemitteilungen, Newslettern und in jeder weiteren denkbaren Verbreitungsform unters Volk zu bringen. Im Falle des BVDVA-Kongresses war es der Hashtag #bvdva15. Auch für jene, die nicht persönlich zum Kongress kommen konnten, war es auf diese Weise möglich, via Twitter alles live zu verfolgen. Um zu gewährleisten, dass auch alles Wichtige von der Veranstaltung kommuniziert wird, ist es wichtig, ein Social Media-Team zu haben, das die Themen setzt und dadurch eine Diskussion im Web anfacht und andere, sowohl Teilnehmer als auch Außenstehende, dazu animiert, Content zu posten.

 

2 Kenne deine Zielgruppe

Wer sich dazu entschließt, Deinem Account zu folgen, erwartet, dass Deine Tweets stets mit Deinem Kernthema und themennahen Inhalten zu tun haben. Also lass die Grumpy Cat-Memes und Musik-Empfehlungen weg, außer Dein Verband oder Deine Firma befasst sich hauptsächlich damit. Poste nur Inhalte, die relevant sind und Deinen Followern, unter denen sich vor allem Mitglieder, Kunden oder künftige Kunden befinden einen Wissenszuwachs bieten.

 

3 Attention is King

Es gibt nicht wenige Menschen, die glauben, dass in der Öffentlichkeitsarbeit Content der König ist. Irgendwann merken sie jedoch, dass sie nicht mehr wissen, worüber sie berichten sollen, weil ihnen ihre Ideen und Themen ausgegangen sind. Wer begreift, dass Aufmerksamkeit viel wichtiger ist, der wird immer genug Material zur Content-Generierung besitzen, weil dieses nie ausgeht, solange man die Augen offenhält und, nun ja, in der Lage ist zu atmen.

Bei einer Fachtagung wie dem BVDVA-Kongress ist es einfach, aufmerksam zu sein und Content zu generieren, da hier zahlreiche Referenten ihre Vorträge halten. Die simpelste und effektivste Methode, daraus Content zu generieren, ist zu jedem Vortrag ein-zwei Fotos zu schießen und bemerkenswerte Statements dazu zu twittern.

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4 Führe Dein Publikum hinter die Kulissen

Besonders interessant wird es vor allem für diejenigen, die nicht beim Kongress dabei sein können, wenn man ihnen nicht nur zeigt, was auf dem Podium passiert, sondern wenn man sie „backstage“ mitnimmt. Wie sieht das Tagungshotel aus? Wie sieht das Büffet aus? Und wer sind eigentlich die Personen, die hinter dem Ganzen stecken?

Hier darf es ruhig menscheln, egal, ob professionell, schön oder situationskomisch, man sollte sich ruhig trauen, zwischendrin auch solche Fotos zu posten. Dadurch wirken die Live-Tweets weniger trocken, sondern bieten trotz aller Seriösität einen leichten Unterhaltungswert, der Sympathien beim Publikum erzeugt

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5 Halte das Gespräch am Laufen

Jetzt hast Du ein so tolles Kommunikationskonzept für Twitter erstellt und keine Sau beteiligt sich an der Twitter-Konversation? Wie in so vielen Bereichen des Lebens muss manchmal stimulierend nachgeholfen werden. Stelle provokante Fragen in die Runde, fordere das Publikum dazu auf, Fragen an die Referenten zu stellen und antworte auf die Tweets anderer Twitter-Nutzer. All das hilft, das Gespräch am Laufen zu halten und den Hashtag lebendig zu gestalten.

 

6 Teile informative Links

Wer gut vorbereitet in die Live-Tweets geht, der hat vorher schon Links parat, die er im richtigen Moment unter dem Hashtag verbreitet. Sei es eine Info-Grafik, eine Slideshare-Präsentation oder der Link zum Beitrittsformular für interessierte Mitglieder – alles ist hierbei denkbar, solange es den Lesern in irgendeiner Weise weiterhilft und ergänzend zum Kongress-Geschehen stattfindet. Idealerweise führen die Links jeweils zur eigenen Website, um genügend Traffic zu generieren. Schließlich betreibt man eine Live-Twitter-Aktion nicht aus Langeweile oder Goodwill, sondern als Teil einer Öffentlichkeitsstragie.

 

7 Folge Deinen Followern und Gesprächspartnern

Social Media. Muss ich hierzu wirklich noch etwas sagen? Wer erfolgreich in der Welt der sozialen Medien sein will, sollte den Begriff „sozial“ ernst nehmen. Das bedeutet, dass man seine Inhalte nicht bloß teilt und nicht auf Diskussionen eingeht, sondern, dass man Tweets anderer möglichst beantwortet, retweetet oder ergänzende Links zurückschickt, also die Konversation aufrecht erhält. Da Follower noch immer eine beliebte Währung in der Social Media-Welt darstellen, und weil man sich schließlich erhofft, durch seine Live-Tweets mehr Follower = mehr öffentliche Aufmerksamkeit = mehr Relevanz = mehr Kunden = mehr Einnahmen zu generieren, sollte man allen Gesprächsteilnehmern und Followern, die interessant für die eigenen Zwecke sein könnten, einen Follow bzw. Re-Follow schenken. Dieser kleine Klick kann manchmal Türen mit erheblichen positiven Auswirkungen nach sich ziehen.

Wie viele Tweets sollte man bei solch einem Live-Event veröffentlichen? Auch, wenn viele selbsternannte Social Media-Gurus dies einem weismachen wollen: es gibt dazu keine Faustregel. Erlaubt ist, was Resonanz schafft, egal, ob es zehn Tweets an einem Tag sind oder 100. Wichtig ist, dass die Tweets kreativ sind und dem Publikum etwas bringen.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation. Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen? Folgen Sie ihm auf Twitter oder vernetzen Sie sich mit ihm auf LinkedIn.