Architekten werden Datenhändler

Cambio

Bei einer Diskussion am Nachmittag ging es um die Frage: „Was ist BIM“? Der neutrale Beobachter würde sofort in die Runde schmeißen: „Building Information Modeling“ – aha! Im Prinzip soll es darum gehen, ein Gebäude, das irgendwann einmal praktisch steht und betrieben wird, vorher theoretisch in der Planung abzubilden. Das Thema steht aber wie viele andere Bereiche mit Blick auf die Digitalisierung – man denkt spontan an die geplante Telematik Infrastruktur im Gesundheitswesen – vor enormen Hürden. Sind diese aber erst einmal genommen, wird es Schlag auf Schlag gehen und das dürfte neue Herausforderungen bereithalten. 

Der erste Dreh- und Angelpunkt ist die „Superdatenbank“ in der alles erfasst ist, was für einen Bau erforderlich ist – von der Armierungsstange im Betonfundament über den Dachziegel bis zur Duschwanne. Derzeit wird über BIM eher zweidimensional geredet: Erstens bildet es nur einen kurzen Zeitraum der Planung ab. Den ganzen Bereich Lebenszyklus eines Gebäudes erfassen die vorliegenden Systeme nicht. Zweitens gehen aktuell 80% der Planerleistung mit dem „auszeichnen“ von CAD-Plänen drauf, die ihrerseits wiederum nicht in die komplette Tiefe gehen, weil zweidimensional und auch von keinem Folgegewerk genutzt werden können, weil technische Andockstellen fehlen. Fortan wird der Planer aber im vollständigen 3D-Modell jedes einzelne Teil eines Gebäudes per Plug-in von Anfang an an die richtige Stelle bringen – inkl. Passgenauigkeit, Preis und unter Berücksichtigung der Lebenserwartung des Bauteils. Die Datenmasse allerdings, die dann anfällt bzw. vorhanden ist, ist durch die vorhandenen, 30 Jahre alten Systeme nicht abbildbar.

Um dieses Problem lösen zu können, wird es am Ende einer jetzt möglicherweise innerhalb weniger Jahre vonstatten gehenden Entwicklung nur einen großen Datensatz für jedes Gebäude und später den gesamten Immobilienbestand geben. Browsergestütze Zugänge rufen dann einzelne Planungsebenen ab: Rohbau, Elektrik, Licht, Trinkwasseranlage, Sanitär usw. Diese dann komplett in 3D verfügbaren Daten erlauben später auch dem Betreiber des Gebäudes (Facility Management) eine optimale Betreuung. Hersteller liefern folgerichtig direkt an den Planer bzw. auf die Baustelle und nicht über einen Großhändler. Ein interessanter Gedanke hierbei: Wenn der Erbauer/Bauherr auch der Betreiber ist, dürfte ihn die Qualität der verbauten Materialien interessieren. Statt billig, billig wird dann mehr auf nachhaltige, dauerhafte Produkte gesetzt. Spannend wird es zudem am Lebenszyklusende des Gebäudes. Dann beginnt das Urban-Mining vom Feinsten: Insbesondere alle Metallarten können am Rohstoffmarkt zu Höchstpreisen verkauft werden. Die Daten für das Gebäude geben es her. Ich weiß von Anbeginn, was drinsteckt – und wie wertvoll es zum Zeitpunkt X ist.

Wenn der Architekt aber zum Datenmanager wird und sich die Planerleistung der Zukunft auf die reine kreative Entwurfsphase konzentriert, stellen sich rasch Fragen nach der Honorierung. Das heutige Festhonorar, das sich an der Bausumme orientiert, dürfte dann endgültig der Vergangenheit angehören. Vielleicht verdient der Architekt der Zukunft sein Geld mit Entwürfen und den Lizenzen für die einzelnen Zugriffsrechte auf verschiedene Datenarten bzw. -ebenen – vorausgesetzt er ist der „Herr der Daten“. Das zu verhandeln, wird Geschick und Weitblick erfordern. Eine Tatsache, die langsam aber sicher in die Ausbildung übergehen muss, um den Architektenberuf zukunftssicher zu machen. Eines dürfte heute bereits feststehen: Die aufziehenden Veränderungen werden noch nicht komplett überblickt und lassen vermutlich keinen Stein auf dem anderen.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.