An Tagen wie diesen…

Der 7. Januar 2013 gehört ohne Zweifel zu den Tagen, die wir so schnell nicht vergessen werden. Die Nachrichtenwelt überschlug sich förmlich: BER wird und wird nicht fertig, ein Grüner wird erstmals Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt, der Chefsanierer von Airberlin geht von Bord, im schönen Wildbad Kreuth kommt die CSU-Landesgruppe zusammen und in Großburgwedel hängt der Haussegen endgültig schief. Donnerwetter! Das muss ein Nachrichtentag erst einmal verdauen. Da ist der SPD-Kanzlerkandidat fast untergegangen mit seiner Forderung, Bonn endgültig nach Berlin zu verlagern – oder zumindest die sich noch dort befindlichen Rumpfministerien. Hätte der SPD-Vorsitzende nicht den süffisanten Satz „das ist ein armer Kerl“ von sich gegeben, wäre das „Top-Twitter-Ereignis“ vom Wochenende (#3K13), also das traditionelle Dreikönigstreffen der an sich traditionellen FDP, schon fast wieder in Vergessenheit geraten. Von der Wilhelmshavener Erklärung, die die Union am Samstag selbstbewusst mit Blick auf ein veritables Wahljahr 2013 abgegeben hat, war nur noch ein Staubwölkchen zu vernehmen. In einer nachrichtenärmeren Zeit hätte sich die mediale Öffentlichkeit dafür vielleicht noch etwas mehr Muße gegönnt. Aber zugegebenermaßen stehen keine welterschütternden Dinge drin. Die waren allerdings auch nicht zu erwarten. Die Union setzt im Prinzip auf sich und ist hin- und hergerissen zwischen Euphorie (wir sind stark wie nie) und blanker Angst. Das „Niedersachsen-Trauma“ von 1998 sitzt einfach noch zu tief. Allerdings sind die Vorzeichen dieses Mal ganz andere: Über dem Land hängt nicht die politische Schwermutsglocke wie damals und die Amtsinhaberin hat derzeit (noch) keinen ernstzunehmenden Herausforderer.

Neben der unendlichen Geschichte um den Berliner Großflughafen war aus meiner Sicht das politisch bemerkenswerteste Ereignis die Inthronisierung des neuen Stuttgarter Oberbürgermeisters Fritz Kuhn. Die Grünen scheinen im Südwesten „unstoppable“ zu sein. Aber gut, noch ist der Novize im Amt nicht ernsthaft gefordert. Es bleibt jedoch spannend mit anzusehen, wie die Grünen das von ihnen ungeliebte und widerwillig geerbte Großprojekt Stuttgart21 behandeln werden. Der grüne Ministerpräsident und sein grüner Verkehrsminister sind vielleicht schon insgeheim warm geworden mit der Aussicht auf die Möglichkeiten, die der neue Bahnhof einmal bieten wird. Bei diesem Stich- oder Reizwort schließt sich ein bisschen der Kreis zu Berlin: Heute lacht die Welt (auch Stuttgart…?) über die Hauptstadt-Region. Hauptsache, dass ist in ein paar Jahren nicht genau umgekehrt. Aber in Stuttgart ist die Deutsche Bahn ja Bauherr und nicht zwei Bundesländer.
P.S.: Die „Schwaben-in-Berlin-Debatte“ spielt hier keine Rolle mehr!

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Von August 2013 bis April 2018 habe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter geführt. Seit Mai 2018 ist Fabian Haun gleichberechtigter Partner.

Privacy Preference Center