10 Jahre Euro – von Krise bis Stabilität ist alles drin!

Er freue sich sehr über die vielen Zuhörer. Es gebe beim Thema Euro leider für gewöhnlich mehr Redner, darum sei es gut, dass auch mal wer zuhören wolle, meinte Bundesfinanzminister Schäuble etwas süffisant zu Beginn seines Vortrages auf Einladung der Deutschen Gesellschaft und Mercedes Benz am Abend in der Welt des letztgenannten Gastgebers. Mr. Euro kam gleich ordentlich zur Sache und redete sich offenbar in seinem Lieblingsthema warm. Zu sehr hatte ihn die Frage des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft und letzten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière, angestichelt: „Wie lange finden wir noch griechische Münzen in unserem Portemonnaie, lieber Wolfgang?“ Schäuble wäre nicht Schäuble, wenn der diese Steilvorlage nicht in seiner ureigenen schwäbischen Art zu einem Parforceritt durch die – seiner Ansicht nach – große Erfolgsgeschichte des Euro genutzt hätte.Vielleicht ist das eine oder andere gekonnt runtergespielt. Auf die Frage wie viel Euros Deutschland tatsächlich kassenwirksam bereits heute ins Krisenmanagement gegeben habe, lautet seine Antwort schlicht „keinen einzigen Cent“! So etwas lässt natürlich aufhorchen. Aber bisher sind lt. Schäuble lediglich indirekt Zinsen für ein Kreditprogramm an Griechenland via KfW angefallen – „überschaubar“ also. Er hat natürlich all die Feinheiten drauf, die den Unterschied zwischen Geld- und Währungspolitik beschreiben. Was es mit Taget II auf sich hat und wie die Mechanismen der EZB funktionieren. Witzig wirft er ein, dass er froh sei, selbst kein Ökonom zu sein, dass eröffne ihm eine klarere Sicht auf die Dinge. An Prof. Sinn vom ifo schickt er via Publikum herzliche Grüße mit dem Hinweis, dass sowohl Griechenland im Euro verbleibe als auch dass es den Euro noch lange geben werde. Er schränkt nur minimal ein, indem er das Wort „wahrscheinlich“ nachschiebt.

An diesem Punkt merkt er, dass er überzeugend auf sein Publikum wirkt. Rasch fragt er seine Zuhörer rhetorisch, ob denn nicht die Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU-Kommission Ansporn und Verpflichtung zugleich für das europäische Großprojekt sei. Hier kommt der Europäer Schäuble durch. Er findet das Scheitern der ersten Union 1954 (EVG) schade. Die politische Union nicht vor dem Euro vollendet zu haben sehen viele heute als Kardnialfehler an. Klar, hinterher ist man immer schlauer. Schäuble kontert in dem er sagt, dass die Frage „Euro oder politische Union“ vor zehn Jahren nur eine Antwort kannte: Euro. Schäuble führt plausible Argumente für den aktuellen Europa- und Krisenmanagementkurs – nicht nur der Bundesregierung – auf. Zum einen zitiert er Zahlen, die dem Euro eine niedrige Preissteigerung als der D-Mark-Zeiten zuschreiben. Die gegenwärtige Krise berge außerdem die unbezahlbare Chance, dass die Euromitglieder jetzt endlich nachhaltig ihre Haushalte in Ordnung bringen. Neben fast allen Euro-Ländern hätten bisher acht weitere Länder in Europa den Fiskalpakt inkl. Schuldenbremse ratifiziert. Nicht zuletzt widerspricht er vehement der Aussage, dass das Bundesverfassungsgericht zumindest beim ESM die europäische Rechtssprechung nicht mittrage. Das Gegenteil sei der Fall. In diesem Zusammenhang kommt er auf wirklich schwere Kost, indem er den „ausbrechenden Rechtsakt“ (BVG-Präsident Voßkuhle) erläutert. Schäuble schließt nach anderthalb Stunden freier Rede mit der Antwort an Lothar de Maizière: „Noch lange Lothar“. Im Grunde ist die gute Botschaft des Abends, dass ein deutscher Finanzminister, ein ohne Zweifel wesentlicher Pfeiler der europäischen Geld- und Währungspolitik, so unerschütterlich an den Erfolg des einzigartigen Friedens- und Wohlstandsprojektes Europa und dessen Währung glaubt und dieses so offensiv verteidigt.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Von August 2013 bis April 2018 habe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter geführt. Seit Mai 2018 ist Fabian Haun gleichberechtigter Partner.